Die Fußgängerzone in der Innenstadt von Wolfenbüttel.
Die Fußgängerzone in der Innenstadt von Wolfenbüttel.

In die Auen der Oker: Mit dem Wohnmobil nach Wolfenbüttel

Manchmal entdeckt man Kleinode ganz in der Nähe erst, wenn man drauf gestoßen wird. So ist es uns ergangen mit der Stadt Wolfenbüttel, die wir ehrlich gesagt überhaupt nicht auf dem Schirm hatten – bis das Reiseblogger-Barcamp genau dort stattfand und wir hingefahren sind. Die Erkenntnis: Diese Stadt ist außergewöhnlich schön, sie ist allemal die kurze Reise wert und vor allem: Sie ist sehr Wohnmobil-freundlich!

Was genau den Sachsen Wulferus bewegt haben mochte, sich irgendwann im 10. Jahrhundert genau hier niederzulassen, wissen wir nicht. Wir wissen aber: Er hat alles richtig gemacht. Wulferus gründete hier, an einer Furt in den sumpfigen Auen der Oker, eine Siedlung, benannte sie „Wulferis Butle“ (und damit nach sich) und legte so den Grundstein dafür, dass etwa 900 Jahre später aus dieser Siedlung im Sumpf eine der – unserer Meinung nach – schönsten Städte Deutschlands geworden ist.

Über 600 Fachwerkgebäude gibt es in der schönen Innenstadt von Wolfenbüttel.
Über 600 Fachwerkgebäude gibt es in der schönen Innenstadt von Wolfenbüttel.

Wolfenbüttel liegt ein paar Kilometer südlich von Braunschweig im Südosten Niedersachsens, ziemlich genau zwischen Lüneburger Heide und Harz. Die Oker, an deren Gestaden sich Wulferus niedergelassen hatte, fließt heute noch durch Wolfenbüttel. Mittlerweile allerdings durch ein in Jahrhunderten angelegtes, ausgebautes, zerstörtes, teilweise wieder hergestelltes und mittlerweile gut gepflegtes System von Nebenarmen und Grachten, was den Besucher immer wieder in der kleinen Stadt, die eigentlich fernab der Küste liegt, ans Wasser gelangen lässt. Ein bisschen großspurig nennen die Wolfenbütteler eine der schönsten Panoramen am Wasser deshalb auch „Klein Venedig“: Brücke, Blumen, Liebesschlösser. Alles, was Venedig ausmacht. ;-)

"Klein Venedig" nennen die Wolfenbütteler dieses Panorama...
„Klein Venedig“ nennen die Wolfenbütteler dieses Panorama…

Wolfenbüttel ist überhaupt sehr schön. Es dominiert in der Innenstadt toll erhaltene und restaurierte Fachwerkarchitektur aus verschiedenen Jahrhunderten. Wer sich ansehen möchte, wie man Fluss, Fachwerk und moderne Nutzung miteinander verbinden kann, sollte sich einmal das Rathaus der Stadt von innen ansehen (das Foyer bietet schon einen imposanten ersten Eindruck). Hier ist mit einem denkmalgerechten Um- und Ausbau gelungen, woran sich Architekten an anderen Stellen die Zähne ausbeißen.

Noch heute durchzieht ein System aus Fluss, Gräben und Grachten die Innenstadt von Wolfenbüttel.
Noch heute durchzieht ein System aus Fluss, Gräben und Grachten die Innenstadt von Wolfenbüttel.

Eine Stadt für Literatur-Interessierte

Auch ist Wolfenbüttel etwas für alle, die Bücher mögen. Einmal, weil hier die imposante und international bekannte Herzog August-Bibliothek ihren Sitz hat, die vor allem Bände aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit beherbergt und die einst als eine der bedeutendsten Bibliotheken Europas galt. Es gibt regelmäßige Führungen durch die Bibliothek, die es auch versteht, ihren Bücherschatz optisch dramatisch in Szene zu setzen.

Außerdem ist die Stadt fest verbunden mit dem Schriftsteller Gotthold Ephraim Lessing, der hier einige Jahre lebte und arbeitete (unter anderem schrieb er hier „Nathan der Weise“ – Schullektüre lässt grüßen). Lessings Wohnhaus kann man heute ebenfalls besichtigen.

Das Wohnhaus Gotthold Ephraim Lessings in Wolfenbüttel. Hier entstand "Nathan der Weise".
Das Wohnhaus Gotthold Ephraim Lessings in Wolfenbüttel. Hier entstand „Nathan der Weise“.

Und wer selbst schreibt, kennt vielleicht die Bundesakademie für kulturelle Bildung, die mit ihrem Seminarangebot auch Schriftsteller anspricht.

Niedersachsens schmalstes Haus steht in Wolfenbüttel. Heute beherbergt es eine Ferienwohnung.
Niedersachsens schmalstes Haus steht in Wolfenbüttel. Heute beherbergt es eine Ferienwohnung.

Was man in Wolfenbüttel sonst noch so alles gesehen haben kann und sollte, haben die Kollegen Reiseblogger ausführlich aufgeschrieben:

Womo-freundlich: Alles ist fußläufig erreichbar

Was wir als angenehm empfunden haben, ist aber auch, dass man in Wolfenbüttel alles zu Fuß erledigen kann – vor allem, wenn man mit dem Wohnmobil anreist und den schönen Wohnmobil-Stellplatz am Stadtbad „Okeraue“ nutzt.

Das Stadtbad liegt etwa zehn Minuten zu Fuß von der Innenstadt und auch vom Bahnhof entfernt, so dass man nicht nur die schöne Altstadt (und, wers mag, auch den ein oder anderen „Jägermeister“, der kommt von hier) genießen kann, sondern auch einen Abstecher beispielsweise nach Braunschweig unternehmen kann.

Die Zufahrt zum sehr gepflegten Stellplatz am Stadtbad Okeraue.
Die Zufahrt zum sehr gepflegten Stellplatz am Stadtbad Okeraue.

 

Das Stadtbad "Okeraue" in Wolfenbüttel.
Das Stadtbad „Okeraue“ in Wolfenbüttel.

Der Stellplatz liegt sehr schön unter Bäumen direkt am Okerufer und bietet Ver- und Entsorgung für die Wohnmobile sowie Duschen und Toiletten für die Wohnmobil-Reisenden in (gepflegten) Containern. Chemietoiletten kann man hier auch leeren.

Man darf maximal 5 Nächte bleiben (das sollte für ein verlängertes Wochenende reichen) und zahlt 12 Euro pro Nacht mit zwei Personen (Stand: Juni 2018). Ver- und Entsorgung, Toilettenbenutzung sowie Duschen sind inbegriffen. Mehr Informationen auf der Website des Stadtbades. Die Womo-Zeitschrift „pro mobil“ hat den Stellplatz am Stadtbad übrigens zu einem der besten Niedersachsens erklärt:

Unser Fazit nach einem Wochenende Wolfenbüttel: Fahrt da hin! Es lohnt sich!

Grüne Wege am Wasser: Wolfenbüttel ist eine Wasserstadt.
Grüne Wege am Wasser: Wolfenbüttel ist eine Wasserstadt.

One comment

  1. Simone says:

    Ein toller Artikel, Anne und Oliver. War schön, euch kennengelernt zu haben.
    ich war vor 2 Wochen noch mal da zum Streetfood-Festival auf dem Matktplatz. Das war auch schön.
    LG, Simone

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