Azurblau: Der Attersee
Azurblau: Der Attersee

Tage in Azurblau

Dieser See! Wir haben fünf Wohnmobil-Camping-Tage am unglaublich schönen Attersee im Salzkammergut verbracht, sind geschwommen, haben aufs Wasser geschaut und mit den Kindern gespielt. Und sonst eigentlich nicht viel gemacht. Fünf ruhige Tage in Azurblau.

Julia macht Riesenfortschritte. Wir sind uns nicht mehr ganz sicher, wie schnell Joana damals das Rollen gelernt hat, meinen aber, dass es später war als bei Julia jetzt. Julia ist nun dreieinhalb Monate alt und rollt sich vom Rücken auf den Bauch, hält ihr Köpfchen aufrecht und guckt sich in der Gegend um. Mittlerweile lächelt sie auch, wenn sie jemanden erkennt.

Allerdings: Sie möchte gerne weiter. Nach dem Rollen auf den Bauch wird das Gucken irgendwann auch langweilig. Krabbeln wäre jetzt gut, aber das geht noch nicht. Und dass sie das noch nicht kann, nervt Julia dann, weswegen sie sich lautstark beschwert.

Wir nennen sie deshalb jetzt gerne „Rollmotz“.

Kurzer Aufenthalt in Passau

Touristisch war unsere Reise bis dato recht unspektakulär. Von Markkleeberg bei Leipzig aus, wo wir die Großeltern der beiden Mädchen besucht haben, sind wir mit einer Station in Schwarzach an der Naab (auf einem einfachen Campingplatz mit dem urigen Namen „Anglernest“) nach Passau gefahren. Zwei Tage haben wir dort auf dem Platz „Dreiflüsse–Camping“ verbracht und waren froh, als wir weiterfahren konnten.

Auf dem Campingplatz "Dreiflüsse-Camping" in Passau
Auf dem Campingplatz „Dreiflüsse-Camping“ in Passau

Der Platz war als Durchgangsort in Ordnung, aber die Vorstellung, hier zwei Wochen Urlaub verbringen zu müssen, war keine schöne. Warum gibt es immer noch so viele so olle Campingplätze? Verdient man mit dem Betrieb so wenig Geld, dass man nichts investieren kann? Oder ist es vielmehr so, dass viele Campingplatz-Betreiber meinen, nichts investieren zu müssen, weil es ja auch so geht? In jedem Fall: Schade, schade.

Sommer-Feeling am Attersee

Umso schöner ist unser Platz am Attersee im österreichischen Salzkammergut, im kleinen Örtchen Steinbach am Ostufer des Sees. „Camping Grabner“ heißt der. Das Waschhaus ist zwar auch schon in die Jahre gekommen, aber hier funktioniert alles und der Platz ist so, wie man sich einen Ferien-Campingplatz im Sommer vorstellt: Überall summt und brummt der Betrieb. Kinder spielen, Luftmatratzen werden aufgepumpt, aus der Restaurant-Küche dringt Pommes-Geruch und entspannte Camper baden, sinnieren über den Lauf der Dinge oder machen – nichts.

Und dann: dieser See! Wir haben noch nie so einen türkisblauen Bergsee gesehen wie diesen. Der Attersee leuchtet förmlich und baden in ihm macht richtig Spaß, denn das Wasser ist kristallklar und angesichts der Hitze (wir reiten ja doch weiter auf der Hitzewelle, die sich mit uns nach Südosten bewegt) als Erfrischung genau richtig temperiert.

Abend über dem Attersee
Abend über dem Attersee

Die Farbe des Sees kommt übrigens, das ergibt eine Recherche, durch den hohen Anteil von Kalk im Wasser, der wiederum durch die Photosynthese-Prozesse von Cyanobakterien (landläufig: „Blaualgen“) entsteht.

Sturm über den Wassern

Direkt am ersten Abend erleben wir den See auch von seiner rauen Seite. Wo eben noch fröhlich im Sonnenschein gebadet wurde, dräuen plötzlich dunkle Wolken über dem Wasser. Starker Wind kommt auf und treibt Wellen mit Schaumkronen über den See. Die Kuppen der Berge links und rechts am Ufer, die eben noch zu sehen waren, sind nun plötzlich in immer schneller ziehende Wolken gehüllt. Obwohl wir eben erst all unser Equipment aufgebaut haben, beeilen wir uns nun, die Markise wieder einzufahren, die Camping-Stühle zusammen zu klappen und unter den Wagen zu schieben und alles zu sichern, was zu sichern geht: das Gewitter kommt.

Gewitterstimmung auf dem Attersee
Gewitterstimmung auf dem Attersee

Der Gewittersturm dauert eine gute halbe Stunde und wir schauen aus dem sicheren Womo heraus zu. Joana hat eine diebische Freude daran, das Seitenfenster immer wieder aufzuschieben und rauszuschauen. Wir müssen ihr das verbieten, denn leider steht der Wind so, dass der Regen genau ins Womo hineingetrieben wird. Als Alternative fängt sie an, mit der Fotokamera zu experimentieren – ein neues Dauer-Hobby von ihr, wie wir in den folgenden Tagen bemerken werden. An diesem Gewitternachmittag entstehen in jedem Fall schon erste Fotos von ihren Füßen, von Unter-dem-Tisch, von der Rückseite der Mama, die auf dem Bett liegt und die kleine Julia stillt und ein paar, von denen wir auch bei wiederholter Betrachtung nicht wissen, was drauf sein könnte. Das mit dem Fokussieren kommt dann später…

Scubi und Crew auf dem Attersee
Scubi und Crew auf dem Attersee

Die weiteren Tage am Attersee verlaufen sehr unspektakulär: Wir machen fast gar nichts. Außer schwimmen zu gehen (Joana ist und bleibt wasserscheu: „Möchtest Du baden gehen?“ – „Ja!“ – „Gehst du dann wirklich ins Wasser?“ – „Nein! Papa ins Wasser gehen! Tragen!“), mit den beiden Mädchen zu spielen, und mit den netten Platznachbarn zu schnacken, deren beide Töchter und vor allem der süße Hund „Oscar“ es Joana angetan hat, tun wir kaum etwas. Anne lässt einmal unser Boot „Scubi“ zu Wasser und dreht mit der skeptischen Joana eine Runde über den See. Ich raffe mich auf, einmal mit dem Fahrrad einkaufen zu fahren und einmal die 400 Meter bis zu einer zufällig nahe gelegenen Craft-Bier-Brauerei zu laufen, die ebenso zufällig einmal in der Woche eine Führung mit Verkostung anbietet. Joana will mit, aber natürlich kein Bier und schläft deshalb auf meinem Arm ein. So wird es eine Brauerei-Führung mit zwölf Kilo Kind im Arm – aber dennoch sehr interessant (und lecker).

Auf dem Campingplatz Grabner in Steinbach am Attersee
Auf dem Campingplatz Grabner in Steinbach am Attersee

Verlängern können wir unseren schönen Aufenthalt am See leider nicht, denn der Campingplatz ist ausgebucht und unser Stellplatz nach unseren fünf Tagen auch schon wieder vergeben. So müssen wir wohl oder übel am Samstagmorgen alles einpacken und weiterfahren. Wiederum: Schade, schade. Diesmal aber im positiven Sinne. Wir kommen wieder.

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