Wining and Dining 10.000 Meter über Grönland

Furioser Auftakt: Besser kann ein Urlaub nicht starten. Alle Flüge klappen, die Langstrecke wird überraschend luxuriös gemeistert und am Ende sind wir in der Zeit zurückgereist – in doppelter Hinsicht. Eine davon hat mit braunen Teppichen zu tun.

So geht also Zeitverschiebung: Ab vier Uhr morgens liege ich wach im Hotelzimmer und warte sehnsüchtig darauf, dass ab 6 Uhr das Frühstück serviert wird. Ist mir noch nie passiert. Jetzt aber schon. Erstens, weil ich Hunger habe, und zweitens, weil ich nicht mehr schlafen kann. Vier Uhr morgens in Calgary bedeutet: Zwölf Uhr mittags in Düsseldorf.

Vorangegangen war ein langer Tag im Transit, der jedoch erstaunlich perfekt funktioniert hat. Ein super Flughafentransfer, keine Probleme beim Sicherheitscheck (das dauert ja gerne mal so lang, dass man das Flugzeug zu verpassen droht), ein teurer Kaffee noch im Flughafenbistro (und wir waren praktisch die einzigen, die da Kaffee getrunken haben – so gerne ich Bier trinke, aber nicht um 10 Uhr morgens), ein überpünktlicher Abflug aus Düsseldorf nach London-Heathrow und dann fünf Stunden Wartezeit, die aber gar nicht so lang wurden, wie wir befürchtet hatten.

Start am Rhein: Wir lassen das heute dunstige Düsseldorf unter uns.
Start am Rhein: Wir lassen das heute dunstige Düsseldorf unter uns.

Ein kurzes Wort zum neuen Terminal 5 in Heathrow: Sieht schick aus, funktioniert aber nur so mittelgut. Es gibt lange Wartezeiten bei der Abfertigung der Passagiere, die Anschlussflüge haben. Die Beschilderung ist zwar eindeutig, stimmt aber nicht. Denn wer einen Anschlussflug hat, darf nicht den Schildern zum erneuten Securitycheck folgen, sondern muss sich in eine lange Schlange von Wartenden einreihen, die am anderen Ende des Gebäudes beginnt. Viele in hübsche lila Uniformen gekleidete Mitarbeiter stehen da und erklären das erstaunlich oft und erstaunlich geduldig – auch denjenigen Passagieren, die ob der Schlangen Angst um ihren Anschlussflug haben. Tipp also: Bei einem Anschlussflug von Heathrow viel Pufferzeit einplanen. Drei Stunden sollten es schon sein, riet einer der lila Menschen einem nervösen Passagier vor uns in der Schlange.

Einen Teil davon braucht man übrigens auch schon, um von einem Gebäude des Terminals, derer gibt es drei, in ein anderes zu kommen, sollte der Flug von dort starten. Wir waren noch einmal 20 Minuten zu Fuß, mit dem Aufzug, auf Rolltreppen und in einer automatischen U-Bahn unterwegs, um von Teil A nach C zu kommen. Plant das bloß ein!

Terminal 5 in Heathrow - Bereich A. Es gibt noch mehr davon...
Terminal 5 in Heathrow – Bereich A. Es gibt noch mehr davon…
Der Blick schweift in die Ferne.
Vor dem Abflug: Der Blick schweift in die Ferne.

Im Flugzeug (für Interessierte: Eine Boeing 787 der British Airways) folgte eine handfeste Überraschung. Anne hatte tolle Sitzplätze in der Economy Class ergattert, die uns ein wenig mehr Beinfreiheit erlaubten. Die Stewardess erlaubte uns dann jedoch nicht, diese Plätze einzunehmen – irgendein technisches Problem gebe es, so dass die Plätze freibleiben sollten. Ersatzweise bekamen wir dann zwei Plätze in der „Club World“-Klasse – das war mal ein Upgrade! Soviel Beinfreiheit war nie, dazu eine herunterklappbare Fußstütze, bis in die Liegeposition verstellbare Sitze, ein klappbarer Monitor und ein Unterhaltungsprogramm mit dutzenden von Filmen, ganzen Fernsehserien, hunderten Musikalben, Podcasts, Spielen undundund. Ich weiß gar nicht, wie oft man um die Welt fliegen müsste, um die Zeit zu haben, das alles nutzen zu können.

Luxus: Vorspeise...
Luxus: Vorspeise…
...und der Hauptgang.
…und der Hauptgang.

Noch besser wurde es, als wir nicht nur die Plätze, sondern auch das Essen der World-Clubber bekamen – die sympathische Stewardess fand uns so nett, dass sie das organisiert hat. Deswegen freuten wir uns also bei einem schönen Glas Weißwein über Salat mit Feigen und Limonen-Frischkäse mit kandiertem Abrieb von der Zitronenschale und Meerfenchel als Vorspeise, Hühnchen mit Reis, Okraschoten, gegrilltem Paprika und Chimichurri-Sauce als Hauptgang und einer Limonen-Himbeer-Tarte zum Nachtisch. Wining and Dining deluxe also, in zehn Kilometern Höhe. Wir flogen gerade über Grönland.

Flugroute: Über Grönland an die Ostküste Kanadas, über Nunavut, die Hudson-Bay und Saskatchewan nach Calgary.
Flugroute: Über Grönland an die Ostküste Kanadas, über Nunavut, die Hudson-Bay und Saskatchewan nach Calgary.

Und wir flogen in der Zeit zurück: Samstagabend in London gestartet, Samstagabend in Kanada angekommen, acht Stunden liegen zwischen den Kontinenten. Eine Zeitreise war es aber auch in anderer Hinsicht: Calgary, die Metropole der Olympischen Winterspiele 1988, scheint in dieser Zeit stehengeblieben zu sein. Das jedenfalls ist unser erster Eindruck. Die braunen Teppiche, mit denen der ganze Flughafen ausgelegt ist, müssen aus dieser Zeit stammen – wie die meisten Gebäude des Flughafens und das gesamte Interieur auch. Das Hotel, in dem wir die ersten beiden Nächte verbringen, muss ungefähr zu der Zeit seine beste Zeit gehabt haben. -aber: Wie gesagt: Ein erster Eindruck. Jetzt geht gerade über dem Trans-Canada-Highway, der neben dem Hotel verläuft, die Sonne auf. Und wir sehen einem spannenden Tag in Calgary, der Ölmetropole am Fuße der Rocky Mountains entgegen. Nachher, wenn Ihr ins Bett geht.

4 comments

  1. Jasmin says:

    Spannend zu lesen….und das war erst der Anfang. Freue mich schon sehr auf weitere News und hoffe das der Urlaub weiter so gehighlightet verläuft, wie er für euch begonnen hat. Bezüglich eures Fliegerglücks kann ich euch nur beneiden. Vermutlich noch verstärkt dadurch dass wir ja nun auch grade erst vorgestern wieder gelandet sind und mit Germanwings entsprechende Negativerlebnisse hatten ;-)

    • Oliver says:

      Wir nicht. Aber in den Nationalparks haben sie es nicht so mit Internet. Die letzten Tage hatten wir auch keinen Strom. Aber jetzt geht es weiter. :-)

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