Erkundung über schwingende Brücken: Joana auf Entdeckungstour.
Erkundung über schwingende Brücken: Joana auf Entdeckungstour.

Ins grüne Herz Europas

Grüne Wälder, grüne Flüsse, klare Seen, hohe Berge: Slowenien gefällt uns sehr gut. Wir nehmen uns viel Zeit, die spektakuläre Natur der Alpenrepublik zu erkunden.

Es beginnt alles in einem hässlichen Tunnel. Wer von Kärnten in Österreich aus nach Slowenien möchte, muss durch die Karawanken, einen Teil der östlichen Alpen. Man kann sich entscheiden, ob man auf Wurzen- oder Loiblpass über die Berge oder im Karawankentunnel unten drunter durch fahren möchte.

An diesem regnerischen Montagmorgen entscheiden wir uns für den Tunnel. Einen Bergpass bei Regen und tief hängenden Wolken mit unserem 7,50-Meter-Geschoss zu fahren haben wir keine Lust und die Tunnel-Maut hält sich mit knapp acht Euro auch in Grenzen. Also hinauf auf die Autobahn bis Villach, kurz vor dem Wörthersee, und dann biegen wir ab und fahren auf das Karawanken-Massiv zu.

Tropischer Hochsommer im Tunnel: Außen waren es 15 Grad, im Innern des Berges 26 Grad und dunstig. Der Karawankentunnel.
Tropischer Hochsommer im Tunnel: Außen waren es 15 Grad, im Innern des Berges 26 Grad und dunstig. Der Karawankentunnel.

Der Tunnel ist ziemlich hässlich und zu klein. Es gibt nur eine Röhre, ein Ausbau ist geplant, aber bislang gibt es stets lange Staus auf beiden Seiten. So lang, dass die österreichische Betreibergesellschaft jedes Jahr im Sommer, wenn die meisten Touristen mit ihren Autos, Caravans und Wohnmobilen durch den Tunnel wollen, vor der Einfahrt kostenlos Wasserflaschen und Malbücher für Kinder verteilen. Auch wir bekommen ein kleines Sixpack Sprudelwasser durchs Seitenfenster gereicht.

Der Tunnel selbst ist knapp acht Kilometer lang und unspektakulär bis auf die Tatsache, dass genau in der Mitte, tief unten im Berg, die Grenze zwischen Österreich und Slowenien verläuft. Dass wir das Land wechseln, bekommen wir also praktisch gar nicht mit.


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Sloweniens Antwort auf die Sachertorte

Was wir sehr schnell mitbekommen, als wir auf der anderen Seite wieder ans Tageslicht fahren, ist, dass Slowenien beindruckend schön ist. Die Touristiker beschreiben es gerne als das „grüne Herz Europas“ und in diesem Fall haben sie damit Recht: Über 60 Prozent der Landesfläche sind bewaldet, es gibt einen großen Nationalpark rund um den höchsten Berg des Landes, den Triglav, in dem unter anderem die smaragdgrüne Soča entspringt.

Auch bei düsterem Wetter ein beeindruckender Anblick: Die Burg von Bled und die Insel im Bleder See. Im Hintergrund die Julischen Alpen.
Auch bei düsterem Wetter ein beeindruckender Anblick: Die Burg von Bled und die Insel im Bleder See. Im Hintergrund die Julischen Alpen.

Unsere erste Station ist der Ort Bled, ein Luftkur- und Badeort am Fuße der Julischen Alpen. Badeort, weil der Bleder See, klar und nicht sehr tief, mit seinem warmen Wasser vom Sommer bis in den Herbst hinein viele Badetouristen anzieht. Bled, schon seit der Bronzezeit besiedelt, war im Laufe seiner langen Geschichte oft privilegiert: Als Kurort früh anerkannt, kurierten sich hier auch Mitglieder des jugoslawischen Königshauses, viele Diplomaten und auch der spätere Diktator Tito requirierte hier eine Villa, in der er von Zeit zu Zeit residierte. Nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens und einem „nur“ zehntägigen Krieg, aus dem Slowenien als souveräner Staat hervorging, nahm die Region um Bled einen wirtschaftlichen Aufschwung. Heute lebt die Region (gut) vom Tourismus, hat sich aber auch als Bildungsort mit einer anerkannten Management-Schule einen Namen gemacht.

Der Steg vor dem Campingplatz von Bled: Blick auf Kirche, Burg und Karawanken.
Der Steg vor dem Campingplatz von Bled: Blick auf Kirche, Burg und Karawanken.

Wir verbringen drei Nächte auf dem schönen „Camping Bled“, der direkt am See liegt. Von hier aus sind wir direkt am ersten Tag mit den Fahrrädern und den Kindern im Anhänger einmal halb um den See bis ins Zentrum von Bled gefahren und haben im Parkhotel eine der hier berühmten Cremeschnitten probiert. Die Cremeschnitte ist so etwas wie Sloweniens Antwort auf die Sachertorte. Sie besteht aus Blätterteig, Pudding und Sahnecreme. Sehr lecker, sehr mächtig, in Slowenien sehr bekannt.

Mächtig, lecker: Die Original-Cremeschnitte in Bled. Kauft nicht das Zeug aus dem Supermarkt.
Mächtig, lecker: Die Original-Cremeschnitte in Bled. Kauft nicht das Zeug aus dem Supermarkt.

Und weil wir auch sonst ja keine Scheu vor allzu touristischen Aktivitäten haben, haben wir auch das mitgenommen: Touristen lassen sich gerne in einer Pletna, einem hölzernen Ruderboot, und von einem Steuermann, dem slowenischen Äquivalent des venezianischen Gondoliere, zur einzigen Insel Sloweniens rudern. Sie liegt mitten im Bleder See und beherbergt die Marienkirche, deren Glocken ständig läuten, denn: Wer als Tourist seinen Eintrittsobolus entrichtet hat, darf auch mal am Glockenstrang ziehen. Man merkt so im Ort und auf dem Campingplatz genau, wann abends das letzte Touristenboot von der Insel ablegt: Die Kirchenglocke verstummt. Die 12 Euro Eintritt in die Kirche, die zusätzlich zur Überfahrt mit dem Boot fällig gewesen wären, haben wir uns übrigens gespart und einfach die schöne Aussicht über den See und in die Alpen genossen.

Interessant war: die Ente. Außerdem war da noch was mit Bergen.
Interessant war: die Ente. Außerdem war da noch was mit Bergen.

An der schönen grünen Soča

Wer Kajak fährt, hat von der Soča zumindest schon einmal gehört. Unter Wildwasser-Fahrern ist der Gebirgsfluss hier in den Julischen Alpen eines der beliebtesten Ziele für abenteuerliche Touren durch die Stromschnellen. Das Spektakuläre an ihr ist aber vor allem die Farbe: Ein leuchtendes Smaragdgrün, das sie von der Quelle bis fast zur Mündung in den Golf von Triest beibehält – dort schon in Italien und unter dem Namen „Isonzo“.

Im Triglav-Nationalpark.
Im Triglav-Nationalpark.

Wir wollen ins Soča-Tal und fahren deshalb von Bled aus gen Nordwesten in das kleine Örtchen Kranjska Gora (1400 Einwohner, 4000 Hotelbetten und viele Skilifte), das am nördlichen Zugang zum einzigen Nationalpark Sloweniens liegt, dem Triglav-Nationalpark. Der Triglav ist der höchste Berg des Landes und den Slowenen so wichtig, dass er nicht nur die Nationalflagge ziert, sondern es auch heißt, ein jeder Slowene müsse mindestens einmal im Leben den Triglav bestiegen haben. Wir mit unseren zwei Kindern und null Bergsteigererfahrung befassen uns mit diesem Gedanken gar nicht erst weiter, sondern machen uns bereit für die Fahrt über den Vršič-Pass, der uns mit dem Womo auf 1611 Meter Höhe führen soll. In fast 50 Spitzkehren geht es hinauf und wieder hinunter. Den Pass gibt es seit über 100 Jahren und in vielen der Kehren liegt noch Kopfsteinpflaster. Dennoch haben wir keine Probleme, uns auch mit unserem 3,5-Tonnen-Teilintegrierten die Serpentinen hinauf zu schrauben – wenn auch oft im ersten Gang.

Im Triglav-Nationalpark: Wir sind mit dem Wohnmobil über den Vršič-Pass gefahren.
Im Triglav-Nationalpark: Wir sind mit dem Wohnmobil über den Vršič-Pass gefahren.

Auch wenn wir auf der kilometerlangen Piste oft allein unterwegs waren – oben auf dem Scheitelpunkt des Passes ist richtig was los: Alles ist zugeparkt. Viele Besucher nutzen den Parkplatz als Ausgangspunkt für eine Wanderung. Radtouristen, die sich die Straße hinauf gequält haben, belohnen sich hier mit einem Getränk und der schönen Aussicht. Die meisten aber steigen hier nur kurz aus dem Auto und machen Selfies.

Begegnung auf dem Vršič-Pass.
Begegnung auf dem Vršič-Pass.
Typische Kehre auf dem Vršič-Pass.
Typische Kehre auf dem Vršič-Pass.

Unser „Abstieg“ (nicht im ersten, aber oft genug im zweiten Gang) führt uns dann am Triglav vorbei hinab in das Tal der Soča, vorbei an ihrer Quelle und dann entlang des Flusslaufs bis zu dem kleinen Natur-Campingplatz „Kamp Korita“ kurz vor dem Ort Bovec. Dort bekommen wir einen schönen Stellplatz mit Blick hinab auf den noch schmalen, aber schon wilden Fluss unten in seinem felsigen Bett und einer schönen hölzernen Tisch-Bank-Kombination unter Bäumen. Wir fühlen uns ein bisschen an unseren Wohnmobil-Urlaub in Kanada erinnert (dort, wo unser Interesse am Wohnmobil-Reisen überhaupt erst geweckt wurde).

An der schönen grünen Soča.
An der schönen grünen Soča.

Wackelige Brücken über wilde Wasser

Joana findet in der dreijährigen Alma eine Spielgefährtin auf dem liebevoll angelegten kleinen Spielplatz, der praktischerweise auch schräg gegenüber unseres Stellplatzes liegt. So können wir die Kinder-Bewachung auch zeitweise von vor dem Womo sitzend aus erledigen…

Durch den Nationalpark führen etliche Wanderrouten, eine der ältesten eben auch entlang der Soča. Das Interessante: Den Fluss überquert man dabei auf anscheinend landestypischer, sehr sehr wackeligen Hängebrücken. Und weil der Wasserstand je nach Jahreszeit sehr unterschiedlich ist, müssen die Brücken durchaus auch mal sehr lang sein. Jetzt, im Hochsommer, fließt nur ein Flüsschen unter uns her, als wir eine der Brücken mal testen. Zu Zeiten der Schneeschmelze im Frühjahr ist das dann eher ein reißender Strom.

Erkundung über schwingende Brücken: Joana auf Entdeckungstour.
Erkundung über schwingende Brücken: Joana auf Entdeckungstour.

Das kleine Slowenien, finden wir schon jetzt, ist ein zu Unrecht unterschätztes Reiseziel. Wer Natur mag, der wird hier, in der wohlhabendsten und auch politisch stabilsten der Republiken, die früher mal Jugoslawien waren, voll auf seine Kosten kommen: Alpen, Nationalpark, Seen, Gebirgsflüsse, Wälder, Höhlen und sogar ein kleines Stückchen Mittelmeerküste – von den Slowenen etwas großspurig „Slowenische Riviera“ genannt. Wer die Landschaft genießen will, kann gut ausgebaute Land- und Passstraßen nutzen, wer schnell vorankommen will, nimmt die einwandfreie Autobahn.

An der schönen Soča: Der smaragdgrüne Fluss fließt direkt am Campingplatz "Camp Koren" in Kobarid vorbei.
An der schönen Soča: Der smaragdgrüne Fluss fließt direkt am Campingplatz „Camp Koren“ in Kobarid vorbei.

Wir wollen nach einer Nacht im Kamp Korita weiter, noch ein Stück an der Soča entlang bis in den Ort Kobarid, dann in die Hauptstadt Ljubljana und dann weiter ans Meer.

3 comments

  1. Ina Fluck says:

    Hallo, Ihr 4 Reisenden. Das sind ja wieder wunderbare Reisebeschreibungen und Bilder, da packt einen ja das Fernweh und man möchte am liebsten sofort hinter her reisen. Zumindest ich für meinen Teil. Ich wünsche euch weiterhin eine technisch unproblematische Reise mit vielen weiteren begeisterten Momenten und Erlebnissen. Und so bleibenden Eindrücken … ihr wisst schon: die, von denen man sagt, die werde man später noch seinen Enkelkindern erzählen. 😁😉 herzliche Grüße, Ina

  2. Carsten und Sabine Barz says:

    Hallo Ihr Vier,
    Wir sind quasi auf Euren Spuren und seit Freitag (Gewitter und Hagel in Bled) mit dem Leihwagen im schöne Slowenien und Istrien unterwegs. Nach drei schönen Tagen in Kranjska Gora (gestern an der Soça) geht es morgen an die Adria.
    Euer Blog gefällt uns gut.
    Viele schöne Erlebnise wünschen Sabine und Carsten

    • Karsten says:

      Hallo ihr Abenteurer,
      Es ist wie immer sehr schön zu lesen wie eure Reise sich gestaltet.Ein Abenteuer jagt das nächste.Die Eindrücke eurer Tour kann einen schon ganz schön fesseln.Wir hoffen es geht euch gut und die Zwerge genießen die Zeit mit Mama und Papa.Ganz viel Spaß noch und eine schöne Zeit.
      LG
      Karsten und Christina

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