Im Ratssaal zu Wolfenbüttel: Toller Ort für ein Reiseblogger-Barcamp
Im Ratssaal zu Wolfenbüttel: Toller Ort für ein Reiseblogger-Barcamp

Von der Liebe zum Leser in Zeiten der Suchmaschinenoptimierung

Die Überschrift ist nicht Suchmaschinen-geeignet, ich weiß. Dabei bringt sie auf den Punkt, was ich vom ersten Reiseblogger-Barcamp meines Lebens mitgenommen habe.

Es war Mitte April und es war in Wolfenbüttel: Ich habe das erste Reiseblogger-Camp meines Lebens besucht. Beruhigend fand ich die Tatsache, dass es erst das dritte Reiseblogger-Barcamp war, das überhaupt stattfand, ich also nicht allzu spät zu spät davon erfahren habe. Glück gehabt, denn: Es war gut.

Beim Reiseblogger-Camp treffen sich Blogger, die in ihren Blogs im weitesten Sinne über das Thema Reisen publizieren. Sie kommen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, Neues zu lernen, ihre Blogs zu optimieren und Kontakte zu knüpfen. Ich als Fan des Barcamp-Veranstaltungsformats (ich habe unter anderem mal das Barcamp Düsseldorf mit ins Leben gerufen) hatte beschlossen, mir das einmal anzusehen – schließlich sind wir hier mit unserer kleinen Site übers Wohnmobil-Reisen mit Kind auch Reiseblogger.

In guter Gesellschaft

Repräsentativ: Sitzgelegenheiten vor dem Bürgermeisterbüro im Rathaus von Wolfenbüttel
Repräsentativ: Sitzgelegenheiten vor dem Bürgermeisterbüro im Rathaus von Wolfenbüttel

Spannend war die Tatsache, dass die wenigsten Reiseblogger überhaupt versuchen, von ihren Blogs zu leben. Das hatte ich anders erwartet. Was sich zeigte: Die meisten von ihnen haben einen „normalen“ bürgerlichen Beruf und reisen und bloggen in ihrer Freizeit. Die meisten Reiseblogs sind dementsprechend auch multithematisch (verbloggt wird, was bereist wird) und werden mitunter auch gar nicht so oft aktualisiert. Dann wieder gibt es auch hochspezialisierte: Eine Kollegin schreibt beispielsweise ausschließlich über New York-Reisen und publiziert zeitlich immer rund um ihre Reisen in die Stadt – alle zwei Jahre.

Hier waren wir mit unserem kleinen Nischenblog übers Wohnmobil-Reisen mit Kind, das eben hauptsächlich auch nur dann aktualisiert wird, wenn wir tatsächlich unterwegs sind, in ganz guter Gesellschaft.

Interessant auch das meist sehr hohe Maß an Professionalität: Die meisten der Blogger haben sich ihre Gedanken über ihre Zielgruppe und deren Erwartungen gemacht und richten ihre Blogs durchaus auch daran aus. Sie alle kennen die wichtigen Social Media-Kanäle und wissen sie zu bedienen. Dennoch zeigte sich auch beim Reiseblogger-Camp eine der schönsten Seiten am Barcamp-Format: Es gibt keine blöden Fragen und vor allem auch keine blöden Antworten. Wer etwas nicht weiß, kann, darf und traut sich zu fragen und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit hilfreiche und freundliche Antworten bekommen. Arroganz und Prahlerei habe ich auch beim Camp in Wolfenbüttel vergebens gesucht.

Sehr viele technische Themen

Überrascht hat mich die Themenauswahl in der Session-Planung. Ich hatte durchaus auch auf einige Sessions inhaltlicher Natur gehofft: Mehr erfahren zu erfolgreichen Formaten des Storytellings im Reisebereich, zur Themenfindung und vielleicht etwas zur sprachlichen Entwicklung im Reisebereich – solchen Themen hoffte ich in Wolfenbüttel lauschen zu können. Das hat sich allerdings nicht bewahrheitet. Es ging fast ausschließlich um technische Themen (WordPress, Video, Suchmaschinenoptimierung), Vermarktung (Was erwarten Destinationen und Reiseblogger voneinander?) oder Rechtliches. (Zu letzterem Themenblock habe ich mit meiner Session aus dem Maschinenraum der Bloggerei auch beigetragen: Ich habe bei „Last Minute DSGVO für Blogger“ versucht, die Datenschutzgrundverordnung, die am 25. Mai auf uns alle hernieder fährt, für Blogger auseinander zu dröseln und die wichtigsten Schritte zum rechtssicheren Blog zu skizzieren. Wer mag: Hier sind die Folien.)

Das Sessionboard des ersten Tages: Sehr viele Themen zu Technik, Vermarktung und Rechtlichem.
Das Sessionboard des ersten Tages: Sehr viele Themen zu Technik, Vermarktung und Rechtlichem.

Inhaltliche Sessions, versicherte man mir am Rande des Camps, hätten im Vorjahr beim Reiseblogger-Camp in Bremen eine stärkere Rolle gespielt. Also doch zu spät davon erfahren? :-/

Diese Sessions habe ich besucht

  • eine Session über Suchmaschinenoptimierung (wichtigste Erkenntnis: „Die Liebe zum Leser wird zum Ranking-Faktor.“)
  • Andreas Session über Smartphone-Videos (klasse Idee hier: Hast Du kein ordentliches Stativ zur Hand, helfen auch zusammengebundene Schnürsenkel, in die man das Handy einhängt)
  • eine ganz spannende Session zu WordPress-Plugins (neu für mich: „CrazyLazy“ zum Bilder-Nachladen und die Möglichkeit zur 404er-Analyse im Plugin „Redirects“)
  • den Vortrag „Wie kriege ich mehr Besucher?“, der nichts wirklich Neues für mich brachte, außer der Erkenntnis, dass die Antwort auf diese Frage in der Bibel zu suchen ist: In Matthäus 25,29: „Denn wer hat, dem wird gegeben.“ Wer die Arbeitsweise des Google-Algorithmus kennt, wird das bestätigen können
  • eine sehr spannende Session zu SEO-Trends 2018.
Smartphone-Videosession mit Andrea: Spannende Insights über das Drehen, Schneiden und Produzieren von Videos mit Smartphone-Apps
Smartphone-Videosession mit Andrea: Spannende Insights über das Drehen, Schneiden und Produzieren von Videos mit Smartphone-Apps

Alles in Allem war es ein sehr lohnenswertes Wochenende. Dazu beigetragen hat neben der tollen Stimmung und den entspannten Barcamp-Teilnehmern einerseits die ziemlich perfekte Organisation durch Romy und andererseits das ziemlich großzügige Sponsoring durch die Stadt Wolfenbüttel. Wir haben nämlich nicht nur im Ratssaal der Stadt tagen dürfen (Fachwerk! Balken! Handbemalt! Was für eine Location), sondern haben auch die Übernachtungen gesponsert bekommen. Eine sehr gute Idee des Stadtmarketings der Lessingstadt Wolfenbüttel, die in diesem Jahr ihr 900-jähriges Bestehen feiert. Ich hatte sie bis dahin ehrlich gesagt nicht auf dem Schirm. Jetzt kann ich nur jedem einen Besuch dort ans Herz legen. Dazu aber mehr in einem eigenen Beitrag über Reisen nach Wolfenbüttel.

3 comments

  1. Romy says:

    Dieses Jahr ging es schon sehr technisch zu. Das muss ich gestehen. Aber es liegt an den Teilnehmern. DSGVO und SEO scheint auf dem Herzen zu brennen, letztes Jahr war es mehr Pinterest zum Beispiel. Schlag einfach nächstes Jahr die Themen vor, die Dir am Herzen liegen. Du glaubst gar nicht, wie viele dann sagen „ach ja, das ist auch spannend.“ :)

    Schön, dass ihr dagewesen seid! Bis zum nächsten Mal.

  2. Mad says:

    Hallo,
    für mich war es auch das Erste dieser Art, aber mit Camper und Kind ist eine Nische? Hätte ich nicht gedacht.
    Aber behaltet euch das Reisebloggen als Freizeitvergnügen. Ich würde gerne wieder tauschen….
    Den Smartphone Vortrag hätte ich mir gerne angesehen und die SEO Sachen waren sehr inspirierend ;)
    Bis zum nächsten Mal, Mad.

  3. Spannend die verschiedenen Erwartungen und Sichtweisen zu lesen. Ich hatte auch das Gefühl ich habe so einige für mich interessante Sessions verpasst, aber auch unheimlich viel mitgenommen dieses Jahr. Tatsächlich steht aktuell mehr Technik auch auf meiner „To-Do-Liste“, auch wenn ich lieber mehr zum Schreiben lernen würden. Nicht zuletzt da ich seit der Umstellung auf https einen Tag vor dem BlogCamp nach wie vor mit technischen Problemen kämpfe.

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