Sonnenuntergang an der Slowenischen Riviera: Die Adriaküste von Portoroz.
Sonnenuntergang an der Slowenischen Riviera: Die Adriaküste von Portoroz.

Das Meer! Und weg.

An der slowenischen Küste sind wir nicht lang geblieben, an der italienischen dafür umso lieber. Und dann: Die Dolomiten.

Nachdem wir an der slowenischen Adria waren, machten wir alles anders. Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, uns die schönen, venezianisch geprägten Orte an der slowenischen Küste anzusehen, vielleicht einen frisch gefangenen Fisch zu essen und es uns ein paar Tage am Meer gutgehen zu lassen.

Dann kamen wir auf dem „Camp Lucija“ in Portorož an.

Wir durften uns zwar einen Stellplatz aussuchen und haben uns für einen sehr weit hinten auf dem lang gestreckten Campingplatz entschieden, der dafür aber direkt an der Bucht lag. Aber schon nach dem ersten Gang über den Platz und einer Besichtigung des Sanitärhauses haben wir entschieden, nicht mehr als eine Nacht zu bleiben. Wir hatten nach unseren schlechten Erfahrungen in Ljubljana darauf gehofft, jetzt ein paar entspannte Tage auf einem schönen Campingplatz zu verbringen – aber „Camp Lucija“ ist kein schöner Campingplatz.

Er wirkt an vielen Stellen verwahrlost, das Sanitärhaus kann es mit dem des „Ljubljana Resort“ in Sachen Ekligkeit mühelos aufnehmen, die Platzanweiser, die hier herumlaufen, sehen so aus, als arbeiteten sie tagsüber auf dem Campingplatz und nachts als Türsteher, einen Laden gibt es außerhalb der Hauptsaison nicht (wer morgens Brötchen will, wird auf den Supermarkt im Gewerbegebiet von Portorož verwiesen) und der „Strand“ ist eine Mole aus Beton.

Unser Stellplatz im "Camp Lucija" in Portoroz an der slowenischen Adriaküste. Auf den ersten Blick nicht schlecht. Bis der zweite Blick dann ins Waschhaus fällt...
Unser Stellplatz im „Camp Lucija“ in Portoroz an der slowenischen Adriaküste. Auf den ersten Blick nicht schlecht. Bis der zweite Blick dann ins Waschhaus fällt…

Wir waren also einigermaßen enttäuscht und beschlossen den Strategiewechsel: Ab sofort wollten wir uns nicht mehr zunächst die Orte aussuchen, die wir besuchen, und dann schauen, welche Campingplätze es dort gibt, sondern nach guten, familienfreundlichen Plätzen Ausschau halten und danach entscheiden, wo wir hinfahren. Denn auf dieser Reise sind wir viel stärker als noch auf der letzten auf die Infrastruktur angewiesen, die Familien vor Ort zur Verfügung gestellt wird: einen vernünftigen und sicheren Spielplatz für Joana, ein sauberes Kinderbad mit Babybadewanne für Julia, Ausflugsziele, die mit dem Fahrrad oder dem Buggy und öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind und die Möglichkeit, ohne weite Wege an frisches Brot oder Brötchen zu kommen. Deshalb haben wir das in den Vordergrund gestellt und unsere Wünsche (schöne und interessante Orte besichtigen) erst einmal hintan.

Um es vorweg zu nehmen: Das hat funktioniert.

An der slowenischen Küste, das hatten wir nach kurzer Recherche raus, würden wir nach diesen Kriterien nicht glücklich werden, also haben wir uns nach Italien gegoogelt. Das ist nicht weit, denn die slowenische Küste ist sehr kurz: Insgesamt nur 46 Kilometer lang ist die Küstenlinie, die sich zwischen der Bucht von Triest und der kroatischen Küste auf dem nördlichsten Teil der Istrischen Halbinsel befindet.

Entspannung in der Urlaubsmaschine

Annes Recherche führte uns dann in die Lagune von Venedig, nur gute zweieinhalb Stunden Fahrt von Portorož entfernt, auf den Campingplatz „Cavallino“. Cavallino-Treporti heißt die Gemeinde, in der der Platz liegt. Vorne brandet das Mittelmeer an diesen schmalen Streifen Land, wenige Kilometer dahinter surren die Mücken über den Wassern der Lagune. Wir waren also wieder in Venedig – diesmal auf der Ostseite der Lagune. Im vergangenen Jahr hatten wir das Womo auf dem Platz in Fusina auf der Westseite abgestellt.

„Cavallino“ ist einer von über 30 teilweise riesigen Campingplätzen, die sich auf der „Lido“ genannten Halbinsel aneinanderreihen. Eine „gigantische Urlaubsmaschine“ nennt unser Reiseführer den Ort und wir stimmen ihm uneingeschränkt zu.

Unser Stellplatz auf dem Camping "Cavallino" an der italienischen Adriaküste, östlich von Venedig.
Unser Stellplatz auf dem Camping „Cavallino“ an der italienischen Adriaküste, östlich von Venedig.

Allein: Das war uns an dieser Stelle auch sehr recht. Denn auf dem Platz gab es alles, was wir brauchten, um ein paar entspannte Tage zu verleben. Das Kinderbad, die gepflegten Waschhäuser, den Spielplatz, einen gut bestückten Laden, ein Restaurant, in dem wir eine leckere Pizza bekamen, einen tollen Pool, eine Eisdiele und vor allem: viele Familien mit Kindern. Joana hat gleich am ersten Nachmittag Anschluss gefunden und auch in den folgenden Tagen ausdauernd mit Laura und Linus, den Kindern unserer Platznachbarn, gespielt. Wir haben uns mit den Eltern ebenfalls gut verstanden und waren auch ein bisschen traurig, als die zum Ende der Woche abreisen mussten.

Eine Woche haben wir in Cavallino verbracht – eine der entspanntesten Wochen unserer Reise. Joana hat gespielt, wir haben (viel) Eis gegessen, einen Fahrrad-Ausflug in die Umgebung gemacht (Venedig haben wir diesmal ausgelassen und auf einen Zeitpunkt verschoben, an dem beide Mädchen mehr von einer Stadtbesichtigung haben werden), Anne hat im Meer gebadet und gefühlt der halbe Platz hat sich über die Slackline gefreut, die wir dank der Pinien, unter denen das Womo stand, auch mal spannen konnten. Kurzum: eine gute Zeit, ein schöner Platz. Hierher werden wir gerne noch einmal wiederkommen.

Auf Serpentinen nach Sexten

Interessanterweise hat das Meer bei unserer diesjährigen Reise – anders als im vergangenen Jahr – keine sehr große Rolle gespielt. Denn anders als geplant ist diese Elternzeit-Reise keine Balkan-Tour geworden, sondern eher eine Alpen-Rundreise. Nach unseren Stippvisiten an der Slowenischen Riviera und der italienischen Adria hat es uns wieder in die Berge gezogen. Wir sind nach Sexten in die Dolomiten gefahren.

Auf dem Weg nach Sexten: Bei Belluno endet die Autobahn. Danach geht es auf der Staatsstraße durch Täler, Tunnel, Pässe und Wälder durch die majestätische Dolomiten-Kulisse.
Auf dem Weg nach Sexten: Bei Belluno endet die Autobahn. Danach geht es auf der Staatsstraße durch Täler, Tunnel, Pässe und Wälder durch die majestätische Dolomiten-Kulisse.

Der Weg hierher führt von Venedig aus über die Autobahn geradewegs nach Norden – bis Belluno jedenfalls. Dann folgen auf einer anfangs noch gut ausgebauten Landstraße Tunnels, Ortsdurchfahrten und Brücken über schöne Gebirgsflüsse.

Auf dem Weg nach Sexten: Bei Belluno endet die Autobahn. Danach geht es auf der Staatsstraße durch Täler, Tunnel, Pässe und Wälder durch die majestätische Dolomiten-Kulisse.
Auf dem Weg nach Sexten: Bei Belluno endet die Autobahn. Danach geht es auf der Staatsstraße durch Täler, Tunnel, Pässe und Wälder durch die majestätische Dolomiten-Kulisse.

Und dann: Der San Antonio-Bergpass. Unser Navi zeigte uns diese Straße als kürzeste Verbindung zur Straße nach Sexten an. Wir jedoch waren skeptisch: Eine enge Straße durchs Gebirge, über 20 Spitzkehren mit einem sieben Meter langen 3,5-Tonnen-Fahrzeug? Unsere Pyrenäen-Erfahrungen der letzten Reise meldeten sich. Dann wieder: Die Mädchen meldeten sich auch und wollten nun nach schon etlichen Serpentinen endlich aus Kindersitz und Babyschale befreit werden. Was also tun?

Wir entschieden uns für den Pass und kurvten 20 Minuten lang durchs Gebirge. Die Straße war neu und es kamen uns nur wenige Fahrzeuge entgegen: alles kein Problem.

Auf dem Weg nach Sexten: In Serpentinen fahren wir den San Antonio-Pass hinauf.
Auf dem Weg nach Sexten: In Serpentinen fahren wir den San Antonio-Pass hinauf.

Sexten ist ein kleines Dorf in Südtirol, nicht weit von Bozen entfernt, aber noch näher an der österreichischen Grenze gelegen. Im Winter kann man hier Ski fahren, im Sommer toll wandern. Uns haben zwei Dringe gereizt: die spektakulären Dolomiten und die Aussicht auf einen luxuriösen Campingplatz, der uns mehrfach empfohlen worden war: der Caravanpark Sexten. Beide Versprechen wurden gehalten.

Unser Stellplatz im Caravanpark Sexten.
Unser Stellplatz im Caravanpark Sexten.

Die Dolomiten, von denen Teile seit 2009 auch zum Unesco-Weltnaturerbe gehören, sind tatsächlich jede Reise wert: Von allen Alpen-Blicken, die wir auf unserer Reise hatten, haben uns die Dolomiten mit am meisten beeindruckt. Schroff, zackig, wettergegerbt ragen sie an vielen Stellen über 3000 Meter in die Höhe und sind ein eindrucksvolles Beispiel für die Kraft der Natur, die diese Berge emporgehoben hat aus dem Meer, das hier, wo heute Südtirol ist, einst schwappte. Für Wanderer bieten sich hier tolle Gegebenheiten, für Mountainbiker ebenso.

So kann man aufwachen: Erster Morgen nach der Ankunft im Caravanpark Sexten - mit tollem Blick in die Dolomiten.
So kann man aufwachen: Erster Morgen nach der Ankunft im Caravanpark Sexten – mit tollem Blick in die Dolomiten.

Da wir beides im Augenblick nicht sind, haben wir uns für einen Ausflug auf den Helm, den Hausberg Sextens, entschieden. Einmal mehr – zur Freude von Joana – mit einer Seilbahn. Auch das war schön, auch wenn wir auf dem Gipfel in 2050 Metern Höhe nur in der netten Hütte eingekehrt sind und Joana wegen eines Erkältungsanflugs die schöne Kinderalm mit Streichelzoo und kindgerechtem Freilichtmuseum nicht besuchen konnte.

Sexten von oben: Wir sind mit der Seilbahn auf den Helm gefahren und haben in 2050 Metern Höhe Kaffee getrunken.
Sexten von oben: Wir sind mit der Seilbahn auf den Helm gefahren und haben in 2050 Metern Höhe Kaffee getrunken.

Und der Caravanpark Sexten ist unseren Erwartungen auch gerecht geworden, wenngleich wir auch sagen müssen, dass Familien hier nur so halb zur Zielgruppe gehören: Es ist ein sehr schön angelegter, hochwertig ausgestatteter Platz in toller Lage am Fuße der Sextener „Sonnenuhr“, einem sehr markanten Gebirgszug.

Zwar gibt es einen schönen Spielplatz und einen „MiniClub“, also einen Indoor-Spielraum für Kinder, aber das war es auch schon. Der Wellness-Bereich mit den Saunen ist super, aber für Kinder eben nichts. Die beiden Restaurants auf dem Platz bieten italienische und internationale Küche auf hohem Niveau (und zu hohen Preisen), sind für Kinder aber auch nicht geeignet. Allein das Schwimmbad ist mit seiner kreativen Bauweise (so halb in den Berg hinein und mit Außenpool), den 31 bis 34 Grad Wassertemperatur und ausleihbaren Schwimmflügeln und Poolnudeln auch für Kinder eine Freude. Joana, die eigentlich nichts mag, was nass ist, wollte hier gar nicht mehr aus dem Wasser.

Schick und entspannt: Der Außenpool im Caravanpark Sexten.
Schick und entspannt: Der Außenpool im Caravanpark Sexten.

Uns hat es also im Caravanpark gut gefallen, als Familiendestination ist der jedoch unserer Ansicht nach nur eingeschränkt geeignet.

Nach ein paar erholsamen Tagen in Sexten haben wir uns dann wieder auf den Weg gemacht. Österreich wollten wir bei dieser Etappe durchqueren und über den Brenner nach Deutschland fahren. Garmisch-Partenkirchen war unser Ziel. Was wir noch nicht wussten: Dort sollte uns eine unschöne Überraschung erwarten.

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