Marken – tolle Insel, aber: Schlaft woanders

Für alle, die im Westen NRWs wohnen und ein bisschen Seeluft schnappen wollen, ist die kleine Insel Marken im Markermeer, dem südlichen Teil des Ijsselmeeres, ein echter Tipp. Das einzige Hotel auf der Insel, den „Hof van Marken“, können wir jedoch nicht empfehlen. 

Mal durchatmen, Seeluft schnappen, den weiten Himmel über Holland genießen: Wir wollten an einem Frühlings-Wochenende einen Ausflug machen. Für alle, die das auch wollen, ein Tipp: Die Insel Marken. Marken liegt im Markermeer, dem südlichen Teil des Ijsselmeeres und ist die einzige bewohnte Insel dort. Knapp 1900 Menschen leben auf dem Eiland, das erst seit 1957 durch einen Damm mit dem Festland verbunden ist. Von Düsseldorf aus lässt sich Marken in etwa zweieinhalb Stunden erreichen. Nach Amsterdam sind es von hier dann nur etwa 20 Minuten.

Marken ist typisch holländisch: Niedliche Bauten, extrem gepflegt, gastfreundlich, maritim. Viel los ist auf der Insel nicht: Es gibt eine Kirche, ein Museum, eine Holzschuhwerkstatt, die man besichtigen kann, den schönen historischen Hafen und eine Handvoll Cafés und Souvenirshops. Gerade letztere sind für die vielen Tagestouristen gedacht, die die Insel tagsüber besuchen. Nach 19 Uhr wird es dagegen sehr ruhig auf Marken.

Beschaulich: Das alte Dorf Marken. (Foto: Anne)
Beschaulich: Das alte Dorf Marken. (Foto: Anne)
Ausblick mit Seeblick
Ausblick mit Seeblick
Auf den Warften stehen die Häuser dicht an dicht.
Auf den Warften stehen die Häuser dicht an dicht.

Eine Nadel im Markermeer

Der Tourismus ist auch einer der Gründe, warum Marken heute überhaupt noch eine Insel ist: Früher war geplant, die Insel mit einem Deich im Süden (über den heute die Straße zum Festland verläuft) und einen im Norden mit dem Festland zu verbinden und die Bucht, die dann ein See geworden wäre, trocken zu legen, um neues Agrar- und Bauland zu gewinnen. Aber erstens der nachlassende Bedarf an Land und zweitens die Entwicklung der Region zum Tourismusgebiet (mit dem damit verbundenen Einnahmen) haben die Politik dazu bewogen, die Insel lieber Insel sein zu lassen. Der nie fertiggestellte Deich im Norden ragt deswegen heute wie eine Nadel ins Markermeer.

Man kann ein bisschen spazieren gehen auf Marken: Vom Hafen am Westufer bis zum Leuchtturm im Osten der Insel (1839 erbaut und genannt „Paard van Marken“, das Pferd von Marken, wegen seiner Form) sind es knappe anderthalb Stunden. Wer die ganze Insel umrunden will, ist damit in guten drei Stunden fertig. Mit Fahrrädern, die man sich leihen kann, geht das natürlich schneller. Mit dem Auto jedoch kommt man nicht sehr weit: Im historischen Dorfkern dürfen nur die Einwohner fahren. Touristen müssen ihre Wagen auf dem Inselparkplatz am kleinen Busbahnhof abstellen (Kosten für die Tageskarte: 4,50 Euro im März 2014).

Besonders ist übrigens die Bauweise auf der Insel: Die Häuser des alten Dorfes stehen allesamt dicht zusammengedrängt auf künstlichen Hügeln, sogenannten Warften. Das schützte sie vor Überschwemmungen und Sturmfluten, die es vor der Eindeichung des Ijssel- und Markermeeres früher regelmäßig gab. Nur die die neueren Teile des Dorfes, die später entstanden sind, liegen direkt auf Wasserniveau.

Nicht zu empfehlen: der „Hof van Marken“

Eines der wenigen etwas höheren (zwei zweigeschossigen) Gebäude auf Marken ist das einzige Hotel der Insel: der „Hof van Marken“. Weil wir abends die Stille auf der Insel genießen wollten, haben wir uns dafür entschieden, die Nacht hier zu verbringen. Um es vorweg zu nehmen: Das würden wir Euch nicht unbedingt empfehlen.

Gutes Restaurant - schlechtes Hotel: der "Hof van Marken"
Gutes Restaurant – schlechtes Hotel: der „Hof van Marken“

 

Ich würde uns sicherlich nicht als Nörgeltouristen, sondern als eher sehr unkomplizierte Hotelgäste beschreiben. Aber dieses Hotel hat mich vor allem durch seine hohen Preise und der damit verbundenen zu schlechten Dienstleistungen verärgert. Wir hatten das „Luxuszimmer“ gebucht (im März 2014: 116,10 Euro pro Nacht – Frühstück nicht inklusive). Was wir bekamen, war ein schön gelegenes Zimmer unter dem Dach, dessen Einrichtung ich allerdings als spartanisch bezeichnen würde: ein Doppelbett, ein Schrank, ein winziger Tisch, zwei wackelige Holzstühle, eine kleine Kommode, eine Lampe, ein Fernseher.

Spartanisch: das "Luxus"-Zimmer unter dem Dach
Spartanisch: das „Luxus“-Zimmer unter dem Dach
Die Stühle wackelten, Spinnweben über dem Bett, Tierhaare auf dem Boden.
Die Stühle wackelten, Spinnweben über dem Bett, Tierhaare auf dem Boden.
Kann man machen, muss man nicht: Lampenschirme hängen im "Hof van Marken" generell andersherum.
Kann man machen, muss man nicht: Lampenschirme hängen im „Hof van Marken“ generell andersherum.

Das kleine Bad hatte immerhin eine Toilette und eine moderne Dusche. Aber unter einem „Luxus“-Zimmer stelle ich mir etwas anderes vor – zumal zu diesem Preis, der auch in einem Fünf-Sterne-Haus hätte aufgerufen werden können. Was uns besonders geärgert hat: Es war nicht sauber. Spinnweben waberten über dem Bett, daneben ließ sich ein klebriges Pfefferminzbonbon nur schwer vom Holzbalken lösen und der Boden war übersät mit Tierhaaren. Das ist an sich schon eklig, für Allergiker (wie mich) ist das ein echtes Problem.

Gemütlich und liebevoll eingerichtet: der Gastraum im Restaurant des "Hof van Marken".
Gemütlich und liebevoll eingerichtet: der Gastraum im Restaurant des „Hof van Marken“.
Ein Muss beim holländischen Frühstück: Hagelslag
Ein Muss beim holländischen Frühstück: Hagelslag
Steil: die Stiege in die Zimmer des "Hof van Marken"
Steil: die Stiege in die Zimmer des „Hof van Marken“

Wir empfehlen ausdrücklich das Restaurant im „Hof van Marken“ – das Essen ist sehr gut, toll angerichtet und die Bedienung ist aufmerksam und freundlich. Auch nicht günstig, aber das Geld in jedem Fall wert. Aber wer auf Marken übernachten möchte, sollte vielleicht lieber eines der dort ebenfalls vorhandenen Bed & Breakfasts wählen.

Seeluft unter holländischem Himmel genießen: Geht gut auf Marken
Seeluft unter holländischem Himmel genießen: Geht gut auf Marken

2 comments

    • Oliver says:

      Ja, aber nur einen sehr kleinen am Ende der Insel, an dem auch der Leuchtturm, das „Pferd von Marken“ steht.

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