Drei Brücken über die Ljubljanica: An den Tromostovje in Ljubljana.
Drei Brücken über die Ljubljanica: An den Tromostovje in Ljubljana.

Platzregen, Nebel und Aroma

Eingebettet zwischen Gebirgen liegt die Hauptstadt Sloweniens: Ljubljana. Die ist überraschend malerisch, entspannt und angenehm. Nur der Campingplatz ist nichts.

Es gibt Städte, die man sich als schön vorstellt und nach deren Besichtigung man enttäuscht ist. Es gibt Städte, von denen man glaubt, dass sie hässlich sind und von denen man dann begeistert ist, wenn man sie besucht hat. Und dann gibt es Städte, von denen man gar keine Vorstellung hat und deshalb auch keine Erwartungen. Ljubljana ist so eine Stadt. Wir haben die slowenische Hauptstadt völlig unvoreingenommen besucht, weil wir so gar kein Bild von ihr hatten. Um es vorweg zu nehmen: Sie ist ziemlich schön und sehr entspannt.

Nach unserem serpentinenreichen Ritt durch den Triglav-Nationalpark und an der Soča entlang hatten wir vorab noch zwei Ziele in Slowenien ausgemacht, die wir gerne sehen wollten: Die Hauptstadt Ljubljana und die kurze Küste, die die Slowenen etwas großspurig „Slowenische Riviera“ nennen.

An den Tromostovje in Ljubljana.
An den Tromostovje in Ljubljana.

Zunächst Ljubljana. Wir erreichen die Stadt nach einer langen Tour durch die Ausläufer der Julischen Alpen. Auch hier macht Slowenien seinem Label als „Grünes Herz Europas“ alle Ehre: Wir fahren durch enge Schluchten, entlang kleiner Gebirgsflüsse. Da, wo Bäume an den Felsen Halt finden, stehen welche, so dass auch diese Strecke dicht bewaldet ist. Wir passieren kleine Dörfer, oft schön herausgeputzt, aber wenig belebt. Ljubljana selbst liegt in einer Ebene zwischen Gebirgszügen, die sich uns imposant öffnet, als wir auf den letzten Kilometern schließlich auf der Autobahn auf die Hauptstadt zu fahren.

Wir haben übrigens auch genügend Zeit, den Ausblick zu genießen, denn Rush Hour ist auch in Slowenien Rush Hour und deshalb zuckeln wir an diesem Freitagnachmittag mit Schrittgeschwindigkeit durch den ersten Stau unserer Reise.

Die Etappe wird dadurch zu lang: Unsere Erfahrung sagt uns, dass die Mädchen bis zu drei Stunden Fahrt gut mitmachen, jede Minute darüber wird jedoch anstrengend. Durch den Stau, der sich leider auch nach Verlassen des Autobahnrings in der Stadt fortsetzt, werden es über vier Stunden und die letzte halbe davon ist extrem – laut. Beide Kinder weinen, wollen aus Kindersitz und MaxiCosi heraus. Die Große will spielen, die Kleine ganz dringend eine Milch und beides geht nicht in einem fahrenden Wohnmobil, selbst wenn das nur mit Schrittgeschwindigkeit durch den Stadtverkehr schleicht (und Anne am Steuer sitzt). Irgendwo anhalten ist auch nicht möglich, so dass es heißt: Durchhalten bis zum Campingplatz am Stadtrand.

Eklig: Camping im „Ljubljana Resort“

Zu dem muss man leider auch ein paar Worte verlieren: Der Platz liegt toll, denn man hat es einigermaßen ruhig am Ufer der Save, aber dennoch verkehrsgünstig, weil kurz außerhalb des Autobahnrings und direkt mit zwei Buslinien an die Innenstadt angeschlossen. Und eigentlich ist er auch ganz schön, denn die Anlage wirkt gepflegt, die Stellplätze für Wohnwagen und Wohnmobile sind geschottert und grenzen jeweils an gepflegte Rasenstücke, es gibt einen schönen Spielplatz und ein Restaurant, das mal nicht nur Pommes und Schnitzel anbietet.

Aber dann: die Sanitäranlagen.

Wir finden, dass nichts einem die Lust am Camping und insbesondere die Freude an einem sonst schönen Campingplatz so schnell verdirbt wie eklige Sanitäranlagen. Diese hier auf dem „Ljubljana Resort“, das immerhin mit vier Sternen wirbt, ist wirklich schlimm. Das Waschhaus ist nicht nur alt, sondern wird auch nur schludrig gereinigt. Alles ist fleckig, die Babybadewanne voller Laub, Toilettenbecken, die nicht mehr funktionieren, werden nicht repariert, sondern mit einer Plastiktüte abgedeckt. Anne erwischte eine Dusche, in der sich das kalte Wasser nicht aufdrehen ließ, sondern nur brühend heißes. Alles in Allem wirkt die Anlage ungepflegt. Wir haben den Eindruck, das hier nichts investiert wird, weil der Campingplatz in der guten Lage eben auch so funktioniert. Warum unser Reiseführer und auch der ADAC-Campingführer den Platz gut bewerten, ist uns ein Rätsel.

Wir überlegen, nach nur einer Nacht weiter zu fahren, beschließen aber dann, uns den Bummel durch die Stadt nicht nehmen zu lassen und wohl oder übel noch eine weitere Nacht auf dem „Ljubljana Resort“ zu verbringen.

Rauf auf den Burgberg

Immerhin: Das lohnt sich, denn die Stadt ist toll. Wir nehmen einen der Busse, die im Zehn-Minuten-Takt direkt vor dem Campingplatz abfahren und fahren bis zum Gerichtsgebäude, das am Rande der Altstadt liegt.

Joana erkundet Ljubljana auf eigene Faust und im Regen.
Joana erkundet Ljubljana auf eigene Faust und im Regen.

Die durchbummeln wir mit den beiden Mädchen im Fahrradanhänger, den wir zum Doppel-Buggy umgebaut haben, und erregen damit witzigerweise Aufsehen: Hier in Slowenien scheinen diese Anhänger ziemlich unbekannt zu sein. Wir werden mehrfach auf Englisch oder Slowenisch angesprochen. Staunen erzeugen wir, als wir den breiten Buggy nicht ohne Weiteres durch die Tür in die Kabine der Standseilbahn auf den Burgberg bekommen und deshalb kurzerhand eines der Räder abnehmen, den Anhänger durchschieben und das Rad wieder anstecken. Das sei ja „amazing“, merkt eine englische Touristin ehrlich staunend an. Wir amüsieren und freuen uns, keinen Kinderwagen und keinen Buggy, sondern nur den multifunktionalen Anhänger mitgenommen zu haben.

Die Ljubljanica in der Hauptstadt.
Die Ljubljanica in der Hauptstadt.

Aber Ljubljana. Die Stadt ist über 2000 Jahre alt und heute mit ihren 288.000 Einwohnern etwas größer als Kiel und etwas kleiner als Bonn. Über 600 Jahre war sie, wie das heutige Slowenien, Teil des von Wien aus regierten Habsburgerreiches, was ihre sehr westliche Ausrichtung und auch den deutschen Namen erklärt, den die Stadt auch heute noch hat: Laibach.

Wer bei dem Namen an Musik denkt, liegt nicht falsch: So heißt auch eine bekannte slowenische Band, die noch zu jugoslawischen Zeiten gegründet wurde und durch die Namenswahl – der deutschsprachige Name war im titoistischen Jugoslawien unerwünscht – für Furore sorgte.

Ljubljana hat sich in den vergangenen Jahren sehr stark herausgeputzt. Die Altstadt mit ihren Barock- und Jugenstilhäusern in kleinen Gassen und mit vielen schönen Läden lädt tatsächlich, so abgedroschen das auch klingen mag, zum Bummeln ein. Das Flussufer der Ljubljanica ist von Restaurants und Cafés gesäumt, alles macht einen schönen, hochwertigen Eindruck.

Die Ljubljanica fließt mitten durch die slowenische Hauptstadt.
Die Ljubljanica fließt mitten durch die slowenische Hauptstadt.

Empfehlung: Restaurant „Aroma“

Als wir gerade vom Flussufer wieder in die Altstadt abbiegen, werden wir von einem Platzregen überrascht und finden Zuflucht in einem überraschend netten Restaurant, das zufälligerweise auch noch im ältesten noch existierenden Gebäude der Stadt untergebracht ist. Wir lassen es draußen platzregnen und genießen drinnen Ljubljaner Gulasch, Gemüsereis und ich ein hausgebrautes Bier. Und selbst Joana und Julia gefällt das freundliche Ambiente des Lokals: Beide sind geduldig und Joana, die sonst nichts isst, was auch nur annähernd wie Gemüse aussieht, labt sich am Gemüsereis der Mama. Deshalb unsere Empfehlung: das Restaurant „Aroma“.

Nach der Pause nehmen wir dann noch die Seilbahn zum Burgberg (wie geschildert mit dem Buggy und unter den staunenden Blicken unserer Mit-Passagiere) und schauen noch einmal von oben auf diese angenehme, fast schon beschauliche Hauptstadt, wie sie fast schon malerisch eingebettet zwischen den Gebirgszügen liegt. Passend zum sonstigen Image des Landes war Ljubljana 2016 „Grüne Hauptstadt Europas“. Das passt, finden wir und freuen uns, trotz des doofen Campingplatzes, nicht vorzeitig weggefahren zu sein.

Die Burg thront hoch über Ljubljana. Wenn nicht gerade Regen und Nebel herrschen, ist der Blick von hier aus über die Ebene bis zu den Bergen ziemlich toll.
Die Burg thront hoch über Ljubljana. Wenn nicht gerade Regen und Nebel herrschen, ist der Blick von hier aus über die Ebene bis zu den Bergen ziemlich toll.

Unsere nächste Etappe führt uns ans Meer. An der slowenischen Küste, soviel sei hier schon verraten, halten wir es nicht lange aus…

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