Outdoor und mit der letzten Akkuladung: So entsteht ein Blogbeitrag.

Kein Netz und keinen Strom

Ja, doch, uns gibt es noch und uns geht es gut! Wir haben in den vergangenen Tagen viel gesehen, sind viel unterwegs gewesen, haben viele Fotos gemacht – konnten unsere Eindrücke aber nicht ins Blog stellen, weil wir kein Netz hatten. An den meisten Tagen nicht einmal Strom.

Das Praktische an diesem Wohnmobil ist, dass man weitgehend autark reist. Das haben wir gemerkt, als das begann, was Anne einmal scherzhaft, aber ganz treffend „Downgrading“ genannt hat. Wir starteten in Banff mit dem, was für die hiesigen Camper das Nonplusultra ist: „Full Hook up“ – das Wohnmobil wird mit all seinen Ver- und Entsorgungsleitungen an den Campingplatz angeschlossen: Strom gibts aus der Leitung, fließend Wasser ebenso und die Bordtoilette sowie das Spülbecken entleeren sich direkt in die Kanalisation.

Schon in Lake Louise gabs das nicht mehr: Auf dem hiesigen Campingplatz hatten wir nur noch Strom. Auch das ist nicht schlimm, denn das Wohnmobil hat einen Frisch- und zwei Abwassertanks. Die 150 Liter Frischwasser reichen allemal für ein bisschen Kaffeekochen, abspülen, sogar für eine Dusche (ist ja auch an Bord) und Zähneputzen. Heißes Wasser kommt in unserem Mobil übrigens auch aus der Bord-Leitung – man muss nur daran denken, rechtzeitig vorher den Warmwasserboiler anzuwerfen. Wenn der Gastank gefüllt ist, funktioniert der tadellos und liefert nach einer Viertelstunde heißes Wasser in Hülle und Fülle.

Kein Wasser, kein Strim, aber viel Natur: Unser Stellplatz auf dem Campground "Whistler" bei Jasper.
Kein Wasser, kein Strom, aber viel Natur: Unser Stellplatz auf dem Campground „Whistler“ bei Jasper.

Als wir weiterfuhren nach Jasper, haben wir erlebt, welchen Nachteil es hat, so spät in der Saison unterwegs zu sein: Die meisten Campingplätze entlang der Strecke haben bereits geschlossen. (Tipp für alle, die auch im September oder Oktober zum Campen nach Kanada wollen: Traut keinen Angaben in Reiseführern. Schaut vorher im Internet nach, ob die gewünschten Campingplätze noch geöffnet sind. Die Kanadier richten ihre Öffnungszeiten gerne nach Wetter und Andrang.) Das bedeutet auch: Die wenigen noch geöffneten sind voll.

So ist es uns in Jasper gegangen, wo wir drei Nächte auf dem Campingplatz „Whistler“ verbracht haben, weil alle anderen Plätze bereits zu waren. Zum ersten Mal haben wir hier in einem Verkehrsstau gestanden – nämlich an der Einfahrt zum Campingplatz. Und zum ersten Mal hatten die netten Damen am Empfang (die sind wirklich nett, können mit ihrem Computer aber nicht umgehen, weswegen sich eben dieser Stau an der Einfahrt bildet) keinen Platz für uns. Zumindest keinen mit Hook up, Wasser oder Strom. Man bekommt dann als Wohnmobilfahrer tatsächlich nur einen Platz zugewiesen, an dem man stehen darf. Außer einer Bank und bei manchen einer kleinen Feuerstelle gibts dort nichts. Was uns in Jasper also blieb, waren drei Nächte an drei verschiedenen Plätzen ohne alles – außer viel Natur, denn wir standen mitten im Wald.

Outdoor und mit der letzten Akkuladung: So entsteht ein Blogbeitrag.
Outdoor und mit der letzten Akkuladung: So entsteht ein Blogbeitrag.

Das hat alles wettgemacht, denn mehr Naturerlebnis kann man bei dieser Art des Reisens kaum haben. Wir haben Eichhörnchen beim Futtern zugesehen (die uns dann übrigens auch, denn wir haben unser Abendessen draußen in der Abendsonne genossen), Hirsche kreuzten unseren Weg und ein Reh haben wir morgens vom Fenster aus am Wagen vorbeilaufen sehen. Am dritten Abend hatten wir einen Platz mit Feuerstelle und uns an einem schönen Campfire wärmen können.

Die Lizenz zum Feuermachen muss man auf den meisten kanadischen Campingplätzen übrigens extra bezahlen. Dafür bekommt man dann aber auch Zugang zu einem riesigen Stapel Brennholz, von dem man soviel mitnehmen darf, wie man am Abend benötigt.

Für alle, die sich jetzt fragen, wie man ohne Stromanschluss und Wasser im Wohnmobil campen kann: Kein Problem. Die Wassertanks sollten voll sein, ebenso die Hausbatterie des Wagens und der Gastank, so dass man abends noch kochen, spülen und die Zähne putzen kann. Und das möglichst mit Licht im Wagen. Was nicht geht: die Kaffeemaschine, denn die funktioniert nur mit „Landstrom“ aus der Steckdose. Und: Aufladen von Kamera und diversen Apple-Gerätschaften. Wer schlau ist, nimmt sich deshalb einen 12 Volt-Ladestecker für den Zigarettenanzünderanschluss im Wagen mit und lädt während der Fahrten. Wer nicht so vorausschauend ist (wie wir) muss sich abends ins Waschhaus auf dem Campingplatz neben die Kamera stellen, die vor sich hin lädt – an einer Steckdose, die eigentlich für einen Fön gedacht ist.

Und dann noch die Frage, die die bewegt, die es ganz genau wissen wollen: Ja, auch das mit Bad und Klo funktioniert ohne irgendwelche Hook up-Anschlüsse. Auf jedem Campingplatz finden sich hier Stationen, an denen man den Trinkwassertank wieder auffüllen und mittels eines Schlauchs und eines Lochs im Boden (das in die Kanalisation führt) die beiden Abwassertanks entleeren kann. Für alle, die es ganz ganz genau wissen wollen: Die Camping-Ingenieure haben sich hier Cleveres ausgedacht. Als erstes entleert man nämlich den sogenannten Schwarzwassertank, also das, was aus der Bordtoilette kommt. Da man in die zuvor Chemikalien in Form von blauen Kügelchen gespült hat, stinkt es … nur ein bisschen. Wenn der Tank leer ist, leert man durch denselben Abwasserschlauch auch den sogenannten Grauwassertank, also das, was aus Spülbecken und Dusche kommt. Damit wird dann der Abwasserschlauch wieder durchgespült und kann sauber wieder seinen Platz in der hinteren Stoßstange (echt wahr!) finden.

Oliver am Lake Louise
Oliver am Lake Louise
On the road: atemberaubende Landschaften ziehen am Fenster vorbei.
On the road: atemberaubende Landschaften ziehen am Fenster vorbei.

So sind wir also in den vergangenen Tagen unterwegs gewesen und haben Camping (deluxe) gemacht. Was es aber überall in den Nationalparks nicht gab: Internet. Deswegen hinkt dieser Blog etwas unserem Reiseverlauf hinterher. Mehr über unsere Ausflüge kommt deshalb in den folgenden Blogposts! Wir holen uns schon noch ein.

3 comments

  1. Jasmin says:

    Na Gott sei dank….schön von euch zu lesen. Ein wenig besorgt war ich tatsächlich auch schon. Aber ich hatte mir schon gedacht das es um Internet in der kanadischen Wildnis nicht all zu gut bestellt ist. In Summe…. aufschlussreicher Post mit Schwerpunkt Bordtoilette ;-) ich hätt fast eine der hippen anglistischen Abkürzungen meiner kleinen hippen Schwester benutzt und gesagt….nein, nicht OMG….sondern TMI! Aber auch nur fast ;-)
    Unglaubliche Fotos von euch. LG

  2. Anne Havlat says:

    Ein paar Tage ohne WLAN waren für mich nicht so schlimm. Schlimmer war es, den Akku der Kamera nicht aufladen zu können, weil wir keinen Strom hatten.
    Der nächste Blockbeitrag ist quasi schon „on the road“, diesmal geht’s um ein Teehaus. Kanada ist noch schöner als im Prospekt und das Gute ist, wird sind noch knapp 2 Wochen da :-)))) Lg aus British Columbia ins weit entfernte Deutschland!

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