Der Strand, der Sand, das Licht: Stimmung auf Texel.
Der Strand, der Sand, das Licht: Stimmung auf Texel.

Insel Texel mit dem Wohnmobil

Noch einmal durchpusten lassen an der See, mit den Kindern im Sand buddeln und Muscheln sammeln, bevor der Herbst endgültig kommt: Deshalb haben wir ein paar Tage mit Kindern und Wohnmobil auf Texel verbracht.

Geologen können so unromantisch sein. Texel, heißt es in der Wikipedia, sei „ein verwittertes Überbleibsel aus eiszeitlichen Geestablagerungen, ein Stück Geschiebemergel in der See“. Das stimmt wahrscheinlich, klingt aber dennoch ziemlich despektierlich – vor allem aber wird diese nüchterne Beschreibung der Schönheit dieses „Stücks Geschiebemergel“ in keiner Weise gerecht.

Texel ist ein bisschen „Niederlande en miniature“: Vieles von dem, was das Bild unseres Nachbarlandes ausmacht, findet sich hier konzentriert auf dieser Insel, die nur zehn Kilometer breit und 24 Kilometer lang ist: Strand und Meer natürlich, Dünen, aber auch Tulpenfelder und schöne kleine Ortschaften mit den typischen engen, aber urgemütlichen Häuschen. Hier wird Käse hergestellt und Bier gebraut, Obst angebaut und Fisch gefangen. Texel ist die größte und westlichste der westfriesischen Inseln, aber dennoch ein sehr entspanntes Urlaubsziel.

Texel!
Texel!

Fünf Kilometer durchs Wattenmeer

Schon die Anreise entschleunigt: Die Autobahn verlässt man nördlich von Amsterdam und legt die letzten Kilometer auf dem Festland auf der Landstraße zurück – bis mitten ins Ortszentrum der kleinen Hafenstadt Den Helder am nördlichsten Zipfel Nord-Hollands. Hier müssen alle Autos (auch Lastwagen, Gespanne und Wohnmobile) auf die Fähre.

Interessanterweise war das unsere erste Fährpassage, bei der wir im Wagen bleiben durften. Vielleicht, weil sich aussteigen fast nicht lohnt: Kaum hat das Schiff abgelegt, kommt schon die Durchsage, dass man sich bitte zum Fahrzeug zurück begeben möge, Texel sei in Sicht. Nur fünf Kilometer Wattenmeer trennen Insel und Festland. Man schafft kaum eine Tasse Kaffee bei der kurzen Überfahrt.

Unser Wohnmobil auf der Fähre von Texel nach Den Helder.
Unser Wohnmobil auf der Fähre von Texel nach Den Helder.

Und auch auf Texel selbst verläuft das Leben eine ganze Spur gemütlicher. Es gibt eine einzige Ampelanlage auf der ganzen Insel, nämlich die am Fähranleger. Die Straßen verlaufen oft schnurgerade über das flache Land, Stau kennt man hier eigentlich nicht.

Schön campen im „Sluftervallei“

Unser Wohnmobil stellen wir auf einem der nördlichsten Campingplätze der Insel ab, auf dem „Landal Sluftervallei“, benannt nach dem Salzwiesen-Naturschutzgebiet „De Slufter“, das hier fast unmittelbar angrenzt. Der Platz gehört zu der niederländischen Bungalowpark-Kette Landal. Man kann von Ketten halten, was man will: Hier wissen wir, dass das Angebot solide und für Familien mit Kindern gedacht ist. Der Campingplatz von „Sluftervallei“ (es gibt auch Bungalows zu mieten) liegt in den Dünen und in Sichtweite des bekannten Leuchtturms an der Nordspitze von Texel.

Der Platz bietet neben dem romantischen Ort mitten in der Natur (nachts streift das Licht des Leuchtturms regelmäßig über den Platz) alle Annehmlichkeiten, die man sich als Familie wünscht: einen sehr schön gestalteten Spielplatz am Hauptgebäude, ein großes Schwimmbad, ein sehr kinderfreundliches Restaurant mit gemütlichem Kamin, einen gut sortierten Supermarkt, einen Imbiss und für die größeren Kinder zumindest in den Sommermonaten auch ein Animationsprogramm.

In den Dünen: Unser Stellplatz im Landal-Park "Sluftervallei" in De Cocksdorp im Norden Texels.
In den Dünen: Unser Stellplatz im Landal-Park „Sluftervallei“ in De Cocksdorp im Norden Texels.

Preislich liegt das alles nicht im unteren, aber im durchaus akzeptablen Bereich. Einzig der WLAN-Zugang, den man hier bezahlen muss, ist uns zu teuer, so dass wir darauf verzichten. Hier empfehlen wir einen vernünftigen Mobilfunkvertrag mit ausreichend Datenvolumen, das man ja dank der EU-Roaming-Verordnung auch mit ins EU-Ausland nehmen darf.

Am Strand: Vorsicht vor den segelnden Seifenkisten

Als Ausflugsziel empfiehlt sich natürlich als erstes der Strand: Vom „Sluftervallei“ sind es nur gute zehn Minuten mit dem Fahrrad bis zum bekannten Leuchtturm an der Nordspitze der Insel. Der Strand hier ist breit und toll: Zum Wasser stapft man nochmal einige Minuten durch den erst tiefen und weichen, dann auf dem harten, tidegeriffelten Sand. Bei viel Wind muss man aufpassen, nicht von einem der umherflitzenden Strandsegler, diesen rollenden Seifenkisten mit Segeln, umgefahren zu werden. Die haben zwar nicht automatisch Vorfahrt – können im Zweifel aber auch nicht bremsen.

Der Leuchtturm von Texel an der Nordspitze der Insel.
Der Leuchtturm von Texel an der Nordspitze der Insel.

Wer Lust auf einen „koffie verkeert“ oder ein echtes Texels Bier hat (auf Texel wird tatsächlich gebraut – unbedingt die „Skuumkoppe“, die „Schaumkrone“, probieren!), kann im „Strandpaviljoen Faro 2“ einkehren und windgeschützt dem Wellenrauschen lauschen. Der Leuchtturm ist an manchen Tagen auch zu besichtigen, wenn man möchte. Wir waren bisher allerdings noch nicht oben.

Fahrradfahren, De Koog und ein Besuch im „Ecomare“

„Das Fiets ist bei uns heilig!“, sagte meine Niederländisch-Lehrerin einmal. Das ist klar, nichts anderes erwarten wir in den Niederlanden. Und deshalb gibt es auch auf Texel ganz selbstverständlich ein sehr gut ausgebautes Radwegenetz. Kreuzungspunkte verschiedener Radwege und interessante Punkte wie Sehenswürdigkeiten sind mit Nummern bezeichnet, so dass man sie auf einer Karte gut wiederfinden kann. Es gibt Wegweiser mit Kilometerangaben zu den verschiedenen Zielen und entlang der Strecken immer wieder auch kleine Rastplätze. Wer die übliche deutsche Fahrrad-Infrastruktur gewohnt ist, kommt hier ins Staunen.

Texel ist weitestgehend flach, so dass der einzige Gegenspieler beim Fahrradfahren hier, wie immer an der See, der Wind ist. Gegen dieses Problem und für ein angenehmeres Fahren auch mit dem großen Doppel-Kinderanhänger hinten am Rad haben wir uns elektrische Unterstützung geholt: Anne und ich fahren E-Bikes und möchten die auch nicht mehr missen (und wer jetzt unkt, ist noch nie mit einem gefahren ;-).

Mit Fahrrad und Anhänger in den Sonnenuntergang...
Mit Fahrrad und Anhänger in den Sonnenuntergang…

So fahren wir an einem herrlich sonnigen Spätsommertag von De Cocksdorp im Norden der Insel, dort ist unser Campingplatz, nach De Koog, einem der größeren Orte auf der Nordsee-Seite Texels. De Koog ist so etwas wie das touristische Zentrum der Insel. In der Innenstadt reihen sich Läden an Kneipen, an Restaurants, an Klubs. Uns ist das zu wuselig und ein kleines bisschen zu „Ballermann“-mäßig, deshalb fahren wir weiter und besuchen mit den Kindern das „Ecomare“ ein Stückchen außerhalb von De Koog.

Das „Ecomare“ ist eine Mischung aus klassischem Aquarium, Naturkundemuseum und einer Auffangstation für Meerestiere, die rund um die Insel gefunden werden. Wir sehen so unter anderem kleine Heuler, also Robbenbabys, Baßtölpel, Möwen, Schweinswale und jede Menge Fische.

Besonders angetan ist Joana von den Robben, die fröhlich durch ihr Außenbecken schwimmen und tauchen und immer wieder neugierig die Köpfe aus dem Wasser strecken. Sie kann kaum an sich halten, vergleicht jedes Detail der echten Robben mit ihrer Stofftier-Robbe (zwei Augen? Check. Barthaare? Check. Zwei Flossen? Check.) und ist so aufgeregt, dass sie wild im Kreis läuft. Von dem Tag wird sie noch lange erzählen.

Auf dem Rückweg vom „Ecomare“ kaufen wir im wuseligen De Koog noch etwas ein. Später entdecken wir am Strand von De Koog auch einen Campingplatz, der mitten in den Dünen ist. Vielleicht stellen wir das Wohnmobil in einem anderen Urlaub auch einmal dort ab, denn auch wenn uns der Ort selbst nicht so gefällt: Er ist dennoch aufgrund seiner zentralen Lage ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge.

Mit dem „Texelhopper“ unterwegs

Ein Regentag bringt uns dazu, einen Ausflug in den Hauptort Texels, Den Burg, zu planen und dafür etwas auszuprobieren, was wir so bisher nur hier gesehen haben: Texel kennt zwar ein öffentliches Verkehrsnetz, aber es gibt nur eine einzige reguläre Buslinie, nämlich die von De Koog an der Nordseeseite der Insel über Den Burg nach Den Helder auf dem Festland (de facto endet sie am Fähranleger). Alle anderen Orte, auch unser ganz im Norden gelegenes De Cocksdorp, werden nur vom „Texelhopper“ angefahren.

Das ist eine Art Großraum-Taxi mit fast 200 festen Haltestellen. Der „Texelhopper“ kommt nur auf Anforderung, fährt einen dann aber dorthin, wo man hin möchte. Eine ganz praktische Lösung für eine Insel, auf der man sonst fast alles mit dem Fahrrad erledigt und es wahrscheinlich nicht genügend Auslastung für reguläre Buslinien zwischen den kleinen Orten gäbe.

Himmel über Texel
Himmel über Texel

Wir bestellen den „Texelhopper“ zu der Haltestelle, die direkt vor der Rezeption unseres Campingplatzes liegt. Das machen wir per Smartphone-App. Das ist besonders praktisch, weil man direkt die nächste verfügbare Abfahrtszeit angezeigt bekommt, die Personenzahl eingeben und Tickets buchen kann. Wir geben außerdem an, dass wir einen Kinderwagen dabei haben (eigentlich ist es der überbreite Doppel-Kinderfahrradanhänger, aber das kann man in der App dann so detailliert doch nicht auswählen).

Der Hopper kommt in Form eines langen Mercedes Sprinters pünktlich und der Fahrer lässt extra für den Anhänger die Rampe am Heck ausfahren. Der Anhänger mit den beiden (schlafenden) Mädchen wird so sanft ins Fahrzeug gehoben, passt zu unserem Erstaunen einigermaßen problemlos rein und wir werden komfortabel nach Den Burg gefahren.

Das Besondere an Texel ist die eigene Brauerei auf der Insel. Die Sorte "Skuumkoppe" (Schaumkrone) ist das Aushängeschild von "Texels".
Das Besondere an Texel ist die eigene Brauerei auf der Insel. Die Sorte „Skuumkoppe“ (Schaumkrone) ist das Aushängeschild von „Texels“.

Den Burg überrascht uns auch – allerdings, weil wir den Ort ein bisschen langweilig finden. Man kann hier einkaufen und eine ganz schöne kleine Fußgängerzone entlang bummeln – aber das wars auch schon. Verglichen mit dem wuseligen De Koog (der Ballermann-Part ist Geschmackssache) und den gemütlichen kleinen Dörfchen, die auf der Insel verstreut liegen, fällt Den Burg doch ein bisschen ab.

Am Ende ist das aber auch nicht schlimm, finden wir, denn nach Texel kommen wir ja nicht zum Shoppen, sondern vor allem des rauschenden Meeres, des stürmischen Windes, der sandigen Dünen, des romantischen Leuchtturms, der allgegenwärtigen Fahrräder, des leckeren Bieres, der niedlichen Robben und der entspannten Texelser wegen. Alles andere ist Geschiebemergel.

 

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