Wieder zu Hause.
Wieder zu Hause.

Wieder zu Hause

Die letzten Etappen unserer Reise haben uns wieder zurück nach Deutschland geführt: Nach Garmisch, an den Bodensee und in die Pfalz. Unsere Bilanz dieser Reise, die nicht immer ganz einfach war.

Es war eine dieser Etappen, die wir zu groß geplant hatten. Maximal drei Stunden, das hatten wir ja schon an anderer Stelle festgestellt, sollten wir nur fahren, sonst werden die beiden Mädchen unruhig, um nicht zu sagen: unleidlich. Und bei der Planung der Etappen muss man dann genügend Pufferzeit für etwaige Staus oder langsam zu fahrende Gebirgspässe oder Tankstopps oder notwendige Einkäufe einplanen, denn: jede Minute zählt. Drei Stunden und fünf Minuten – und der Terror beginnt…

Auf unserer Etappe, die uns von Sexten in Südtirol wieder zurück nach Deutschland führen sollte, haben wir all das nicht gemacht. Zweieinhalb Stunden sollte die Fahrt laut Navi nur dauern – also haben wir uns keine Gedanken gemacht und sind losgefahren.

Allerdings hatten wir dann: einen langsam über die kurvenreiche Landstraße gurkenden Lastwagen mit entsprechendem Auto-Tross vor uns, einen zu umfahrenden Feuerwehreinsatz in einem kleinen Ort in Südtirol, eine neu zu kaufende Maut-Vignette für Österreich an der letzten Autobahnraststätte in Italien (war übrigens unnötig, weil die Brennerautobahn ihr eigenes Mautsystem hat. Diese neun Euro hätten wir uns also sparen können) und einen Reisebus auf der Pass-Straße hinter Innsbruck, der die Steigungen im Schritttempo nahm. Alles in allem waren wir, als wir endlich auf dem Platz „Camping-Resort Zugspitze“ in Garmisch-Partenkirchen ankamen, fast fünf Stunden unterwegs. Die beiden Kinder quengelten und motzten, trotz der Pausen, die wir gemacht hatten, und wir freuten uns darauf, nun das Wohnmobil zu parken, die Markise auszufahren und die Kinder spielen zu lassen. Aber dann das: Wir wurden abgewiesen. Der Platz mit dem schönen Zugspitzblick war voll bis auf den letzten Platz.

Damit hatten wir, fast zwei Wochen nach dem Ende der Sommerferien auch in den letzten Bundesländern, nicht gerechnet. Aber eigentlich ist es logisch: Ab diesem Zeitpunkt akzeptieren viele Campingplätze die zahlreichen Rabattkarten der Automobil- und Campingclubs und wer nicht auf die Sommerferien als Reisezeitraum angewiesen ist und die letzten schönen Sommertage genießen möchte, der fährt eben dann. So füllen vor allem die älteren Semester zu diesen Zeiten die Plätze.

Eine Nacht auf Beton

Wir mussten uns also wohl oder übel trotz Erschöpfung und Kindergejammer auf die Suche nach einer Alternative machen, einer, die möglichst vor Anbruch der Dunkelheit zu erreichen sein sollte. Gefunden haben wir sie in einem Wohnmobilstellplatz, den es auch in Garmisch gibt. Verwirrenderweise heißt er „Alpen-Camp“, obwohl es sich hier nur um einen großen Parkplatz am Fuße des Wanks handelt, einem der Hausberge Garmischs.

Hier haben wir nach einer Viertelstunde Fahrt noch einen Platz für die Nacht ergattern können und das Womo dann auf der Betonfläche geparkt. Nicht schön, aber für eine Nacht in Ordnung.

Nicht schön, aber mit schönem Blick und für eine Nacht in Ordnung: Der Stellplatz "Alpen-Camping" in Garmisch-Partenkirchen.
Nicht schön, aber mit schönem Blick und für eine Nacht in Ordnung: Der Stellplatz „Alpen-Camp“ in Garmisch-Partenkirchen.

Nebenbei: Wir stellen immer wieder fest, dass Wohnmobilstellplätze uns nicht gefallen, weil es in aller Regel kaum Natur gibt, sondern betonierte Parkflächen, auf denen die Wohnmobile dicht an dicht stehen. Die Campingstühle werden dann auf dem Asphalt aufgestellt und die Hardcore-Stellplatznutzer mit Hunden bauen um die Stühle herum dann noch einen Hundekäfig aus Aluminium-Bauteilen auf, um es sich dann im Käfig mit einer Flasche Wein gemütlich zu machen. Arme Hunde, denken wir dann…

Ein Highlight hatte unser Stellplatz dann aber doch zu bieten: Er liegt direkt an der Talstation der Wankbahn, einer (langen!) Seilbahn auf den knapp 1100 Meter hohen Gipfel des Berges. Das konnten wir der Seilbahn-begeisterten Joana nicht vorenthalten und so haben wir direkt am nächsten Morgen eine Tour zu Berge gemacht. Toller Blick von oben auf die Zugspitze inklusive.

Überhaupt: Die Zugspitze. Wir hatten ja vor, noch einmal auf den höchsten Berg Deutschlands zu fahren. Das wäre ein Zirkelschluss zu unserer letztjährigen Reise gewesen: Im Frühjahr 2017 haben wir die Zugspitze mit der alten Zugspitzbahn „erklommen“, die kurz danach nach über 50 Jahren Dienst abgebaut wurde. In diesem Jahr wollten wir mit der neuen Zugspitzbahn, die damals noch im Bau war, fahren. Wie die alte zu ihrer Zeit war die neue auch eine Meisterleistung der Ingenieurskunst: Sie kommt auf über 2000 Metern Länge mit nur einer einzigen Stütze aus. Wir haben uns dann am Morgen dieses Mittwochs allerdings gegen die Fahrt zur Zugspitze und für die Wankbahn entschieden.

Spannend war, was wir am nächsten Tag in den Nachrichtenportalen gelesen haben: Die Zugspitzbahn war just an jenem Tag (an dem wir entschieden, nicht mit ihr zu fahren) havariert. Bei einer Bergeübung nach Betriebsschluss ist ein Bergekorb anscheinend ungebremst in die Gondel auf halber Strecke gerast. Die Gondel ist völlig zerstört und die Bahn bis auf weiteres außer Betrieb.

Entspannung am Bodensee

Von Garmisch aus wollten wir an den Bodensee, wo wir uns mit Joanas und Julias Großeltern sowie Großonkel und Großtante verabredet hatten. Ein Zwischenstopp führte uns auf den Campingplatz „Camping Hopfensee“ am gleichnamigen See bei Füssen, den wir sehr ansprechend fanden. Die Nicht-Wasserratte Joana hat auch hier ein 31 Grad warmes Kinderbecken vorgefunden und kaum mehr verlassen wollen, wir haben in einem kinderfreundlichen und netten Restaurant am Platz gut gegessen und auch der namensgebende See ist klein, aber schön und mit dem Fahrrad in einer bequemen Tour auch mit Kinderanhänger gut zu umrunden. Kurzum: Die drei Tage am Hopfensee waren prima – diesen Platz empfehlen wir gerne weiter.

Klassisches Fotomotiv: Der Lindauer Hafen mit dem charakteristischen Leuchtturm.
Klassisches Fotomotiv: Der Lindauer Hafen mit dem charakteristischen Leuchtturm.

Am Bodensee waren wir dann in Kressbronn. Hier hatten wir eine ganze Woche eingeplant. So konnten die Großeltern viel Zeit mit den Enkelkindern verbringen (und wir ein bisschen ausspannen). Übernachtet haben wir in der Zeit auf dem so halbschönen Platz „Iriswiese“, der seine besten Tage leider hinter sich hat – oder zumindest wird hier wenig in die Modernisierung investiert. Auf dem maroden Spielplatz haben wir Joana nicht spielen lassen und uns ansonsten auch gewundert, warum man es nicht einmal für nötig hält, das Erscheinungsbild des Platzes mit so etwas einfachem wie Heckenschneiden wenigstens ein bisschen aufzumöbeln.

In die Ferne: Blick vom Pfänder auf den Bodensee.
In die Ferne: Blick vom Pfänder auf den Bodensee.

Sei’s drum: Die Familientage waren schön und entspannt. Wir haben zu viert, zu sechst und zu acht lange Radtouren unternommen, waren in Lindau und auf dem Pfänder in Bregenz, haben in Nonnenhorn auf einem Obsthof Bodensee-Gin gekostet (empfehlenswert) und uns darüber amüsiert, dass wir immer erkennen konnten, wann wir die entlang der Ortschaften mäandrierende Bundesländergrenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern passiert hatten: Mal wurden die Augen mit blau-weißen Markus-Söder-Wahlplakaten traktiert, mal nicht.

Der Abschied fiel uns ein bisschen schwer nach einer schönen Woche mit den Großeltern, die eigens aus Flensburg angereist waren und Großonkel und Großtante, die aus dem Österreich-Urlaub kommend auf dem Weg zum Kaiserstuhl für diese Woche in Kressbronn Halt gemacht haben. So etwas, ein Familientreffen auf einem Campingplatz an einem schönen Ort, so etwas können wir uns gut vorstellen zu wiederholen.

Unsere Fahrt führte uns noch ein ganzes Stück am schönen Bodensee entlang. Hier bei Hagnau.
Unsere Fahrt führte uns noch ein ganzes Stück am schönen Bodensee entlang. Hier bei Hagnau.

Vom Bodensee aus haben wir die Heimreise angetreten: Gen Norden. Mit zwei Zwischenhalten am Breitenauer See bei Heilbronn, wo wir den ersten echten Herbststurm des Jahres, das Sturmtief „Fabienne“, abgewettert haben, und einem sehr schönen Aufenthalt auf dem Landal-Park „Sonnenberg“ bei Leiwen an der Mosel, sind wir nach Düsseldorf zurück gefahren.

Der Breitenauer See und die Weinberge des Weinsberger Tals im Morgenlicht.
Der Breitenauer See und die Weinberge des Weinsberger Tals im Morgenlicht.

 

Morgenstimmung auf dem Campingplatz am Breitenauer See.
Morgenstimmung auf dem Campingplatz am Breitenauer See.

Kinderbetreuungs-Alltag auf Tour

Und so ist nun auch die zweite und mit großer Wahrscheinlichkeit letzte Elternzeit-Reise zu Ende. Wir stellen fest, dass es auch dieses Mal schön und eindrucksvoll war, dass die Reise aber einen gänzlich anderen Charakter hatte als die erste: Sie war vor allem anstrengender. Mit nur einem Kind steht unserer Erfahrung nach die Reise tatsächlich mehr im Vordergrund. Mit zwei kleinen Kindern nimmt man mehr den Kinderbetreuungs-Alltag mit auf Tour. Reiseziele und Ausflüge, Routen und Etappenplanung – alles richtet sich an den Bedürfnissen der Kinder aus. Julia mit ihren drei Monaten zu Reisebeginn hat dabei ganz andere Ansprüche als Joana mit ihren gut zwei Jahren. Alles in allem war es wieder schön, aber statt der drei Monate, die wir uns Zeit genommen haben, sind es nun nur zwei geworden. Einer der Gründe war auch, dass Joana in der zweiten Hälfte der Reise zunehmend oft von ihrem Kindergarten und ihren Freunden dort zu sprechen begann. Das war für uns das Zeichen, dass es wohl Zeit ist, die Route Richtung Heimat zu planen.

 

Weinreben an der Mosel
Weinreben an der Mosel

Eckdaten dieser Reise:

  • Gefahrene Kilometer: Etwa 3000 (wir haben zu Anfang vergessen, den Kilometerzähler zurück zu setzen…)
  • Campingplätze: 17
  • Wohnmobil-Stellplätze: 2
  • Nördlichste Station: Willingen
  • Östlichste Station: Ljubljana
  • Südlichste Station: Cavallino (bei Venedig)
  • Westlichste Station: Düsseldorf
  • Besuchte Länder: 4 (Deutschland, Österreich, Slowenien, Italien)
  • Schönste Orte: Ljubljana, Soca-Tal, Dolomiten

Karte der Europareise 2018

 

One comment

  1. Nadja Gold says:

    Hallo ihr 4,
    Es ist total spannend von eurer Reise zu lesen!
    Wir sind froh Teil dieser zu sein. Laura und Linus hat es auch richtig gut mit euch in Cavallino gefallen.
    Eben musste ich total schmunzeln; wir waren nämlich auch noch ein Wochenende am Breitenauer See mit dem Wohnwagen und vermutlich genau eine Woche nach euch und Fabienne :)
    Und als wir dort ankamen hat Laura als erstes gefragt ob ihre neue Freundin Joana auch in diesem Urlaub dabei ist und mit ihr spielt und (ganz wichtig) auch malt!
    Liebe Grüße
    Nadj & Flori mit Laura & Linus

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