Startseite » Bilanz einer Reise

Bilanz einer Reise

Nun sind wir wieder in Düsseldorf, nach genau 5965 Kilometern auf der Straße (und noch einmal ein paar hundert auf See), acht Ländern und sehr sehr vielen Eindrücken.

„Eigentlich“, sagte Anne an einem der letzten Abende auf der Reise, „eigentlich haben wir mehrere Urlaube in Reihe geschaltet“. Das stimmt, denn wir haben viele Orte und Regionen besucht, die eigentlich je für sich einen eigenen Urlaub wert sind. Einige dieser Orte haben wir uns vorgenommen auch tatsächlich noch einmal im Rahmen einer eigenen Reise zu besuchen. Die Cinque Terre in Italien beispielsweise. Oder natürlich die Pyrenäen, die uns in ihrer landschaftlichen Vielfalt und Spektakularität überrascht haben. Oder auch die französische Atlantikküste in ihrer Rauheit. Wir kommen wieder!

Die letzten Tage unserer Reise verliefen recht unspektakulär. Unser Wetterglück hatte uns leider zeitweise verlassen (zur Erinnerung: zuvor hatten wir sieben Wochen lang fast ununterbrochen Sonnenschein und angenehme Temperaturen). Wir haben von Luzern aus Schaffhausen angesteuert, wo der Rhein, der dort schon stattliche Größe angenommen hat, 23 Meter in die Tiefe fällt. Der Rheinfall (alle lustigen Wortspiele bitte jetzt hier einfügen) ist einer der drei größten Wasserfälle in Europa (die anderen beiden sind der Sarpsfossen in Norwegen und der Dettifoss in Island) und durchaus spektakulär anzusehen. Außerdem ist er touristisch extrem gut erschlossen, unserer Meinung nach schon ein bisschen zu gut. Es gibt Parkplätze rund um den Wasserfall, sogar spezielle Wohnmobilplätze sind vorgesehen. Man kann allerlei Touren mit Booten unternehmen, unter anderem auch eine, bei der man auf dem Felsen, der in der Mitte des Wasserfalls aufragt, abgesetzt wird und auf das Boot warten muss, das einen wieder abholt. Stadtplanerin Anne hatte eine vage Vorstellung, welche Konflikte Umweltschützer und Touristiker ausgetragen haben müssen, bis das verwirklicht wurde.

Graue Wolken über dem spektakulären Rheinfall bei Schaffhausen

Graue Wolken über dem spektakulären Rheinfall bei Schaffhausen

Über dem Rheinfall zog sich der Himmel schon zu, der Regen ereilte uns dann auf der Weiterfahrt am selben Tag nach Tengen im Hegau. Das liegt schon wieder in Deutschland. Dort standen wir auf dem sehr gut ausgestatteten Campingplatz „Hegi Familien-Camping“. Leider regnete es für den Rest dieses Tages, die ganze Nacht über und auch am nächsten Morgen ununterbrochen. Außer Kochen im Womo und die unpässliche Joana (die Zähne…) zu bespaßen blieb uns da nicht viel zu tun.

Am Folgetag haben wir Annes Familie in Freudenstadt im Schwarzwald besucht und dort auf dem sehr schönen Natur-Campingplatz „Langenwald“ gestanden. Den können wir sehr empfehlen. Die Betreiberfamilie bemüht sich sichtlich, den Platz schön zu gestalten, modern zu halten und dabei das Naturerlebnis nicht zu verdrängen. Der Platz liegt in der Nähe des Langenwaldsees, ein Gebirgsbach rauscht neben den Wohnmobilen und Caravans und die mystische Stimmung, wenn der Morgen den umliegenden Schwarzwald in Nebelschwaden hüllt, ist toll. Kleines Minus: Das Restaurant auf dem Platz ist zwar sehr urig eingerichtet, aber die Speisekarte beschränkt sich mehr oder weniger auf Schnitzel-Pommes, Currywurst-Pommes und Backfisch-Pommes, alles frittiert. Schade. Trotzdem schön dort und auch die Betreiber sind sehr herzlich. Das war der erste Campingplatz, auf dem ich beim Checkout mit Handschlag verabschiedet worden bin.

Mystische Stimmung im Schwarzwald

Kleines Highlight fast zum Schluss der Reise: Wir haben das Wohnmobil auf einem Weingut in der Pfalz abgestellt. Die Winzerfamilie Schädler betreibt auf ihrem Gut in Maikammer (in der Nähe von Neustadt an der Weinstraße) einen kleinen privaten Wohnmobilstellplatz für drei Mobile. Wer hier übernachtet, zahlt sieben Euro und bekommt dafür einen Platz zwischen Weinreben (allerdings direkt neben dem Hof), Frischwasser, Toilettenbenutzung, Stromanschluss – und eine Flasche Wein aus eigener Produktion!

Unser Stellplatz in den Reben (aber mitten im Dorf Maikammer)

Die Schädlers sind sehr herzlich und Joana hat sich mit großen Augen und sehr konzentriert die automatische Flaschenabfüllung in der Produktionshalle angeschaut, die wir im Rahmen einer Mini-Führung besichtigen durften.

In der Abfüllhalle auf dem Weingut Felix Schädler

Natürlich sieht die Familie es dann auch gern, wenn die Campinggäste den gutseigenen Probier- und Verkaufsraum aufsuchen und die ein oder andere Flasche erwerben. Haben wir natürlich auch gemacht. 🙂

Für die letzte Nacht der Reise haben wir dann den Rhein angesteuert. In Bad Hönningen südlich von Bonn haben wir auf einem sogenannten Wellness-Campingplatz gestanden. Die Bezeichnung rührt wahrscheinlich daher, dass der Platz direkt neben der Kristall-Therme Bad Hönningen liegt. Denn ansonsten ist es ein sehr normaler Campingplatz, der stark von Dauercampern geprägt ist. Wir wurden sehr nett an der Rezeption empfangen, erhielten einen schönen Stellplatz direkt am Flussufer und bekamen sogar aufgrund einer Sonderaktion jeweils zwei Stunden Gratis-Eintritt in die Therme spendiert.

Weinprobe am Morgen…

Das haben wir natürlich genutzt und Joana (und uns) ein Bad im warmen Solewasser gegönnt. Das hatte zwei Effekte. Erstens: Joana, unserer Anti-Wasserratte, hat es gefallen! Nach ein paar Minuten im Wasser begann ein Lächeln ihre Lippen zu umspielen, das sich dann immer weiter steigerte, als Mama und Papa mit ihr Bahnen durchs Wasser zogen. Vielleicht wird sie ja doch noch eine Wasser-Maus…

Der zweite Effekt: Wir haben uns noch nie so weit außerhalb einer Zielgruppe gefühlt wie in der Kristall-Therme. Bad Hönningen ist ein klassischer Kurort und das merkt man auch am Publikum in der Therme. Der Altersschnitt ist hoch, sehr hoch, die Haare, wo noch vorhanden, sind grau und die Therme ist die erste, die wir kennenlernen, in der apricotfarbene Vorhänge an den Fenstern hängen, die Stühle in der Cafeteria plüschgrün gepolstert sind und Säulen, Wandbilder und „Stehrümchen“ (Anne) verkitschte mediterrane Stimmung erzeugen sollen. Wir haben unsere zwei Stunden nicht ausgenutzt, sondern sind nach dem Joana-Bad gleich wieder in die Umkleide entschwunden…

(Wir grübelten aber ernsthaft auf der weiteren Fahrt über das zukünftige Geschäftsmodell dieser Therme. Die Generation, die man mit so einer Einrichtung anlocken kann, gibt es nicht mehr lange.)

Vater Rhein hat uns wieder (hier in Bad Hönningen)

Nur ein paar Kilometer weiter nördlich sind wir dann von der Autobahn abgefahren und haben das Wohnmobil über vertraute Wege nach Gerresheim gesteuert. Wider Erwarten haben wir einen Parkplatz vor der Haustür gefunden, was Auspacken und Ankommen gehörig erleichterte.

Und die Bilanz unserer Reise? Wir finden, dass es sich mehr als gelohnt hat, das (kleine) Wagnis einer langen Reise im Wohnmobil mit Baby auf sich zu nehmen. Die Joana, die wir im März mitgenommen haben, ist nicht die, die jetzt im Mai wieder in Düsseldorf angekommen ist. Sie hat sich sehr entwickelt. Sie krabbelt jetzt wie eine Weltmeisterin, zieht sich an allem hoch, steht, brabbelt fröhlich. Und all diese Entwicklungen ganz nah und intensiv beobachtet haben zu können, sind die schönsten Momente einer Elternzeit. Gerade für mich als Vater, der jetzt wieder im normalen Hamsterrad des Erwerbslebens seine Runden dreht. Wenn ich nun morgens das Haus verlasse, erwacht Joana gerade. Wenn ich abends heimkomme, bringen wir sie schon bald wieder ins Bett. Dass ich so viel Zeit mit meiner Familie verbringen konnte, war schon ein Privileg in der Elternzeit.

Die Reise hat diese Zeit noch intensiviert. Einerseits natürlich durch den engen Raum, den man als Familie miteinander teilt (es entstand übrigens zu keiner Zeit ein „Womo-Koller“ bei uns). Andererseits aber auch über die schönen Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten, die wir sehen durften. Joana hat natürlich alles miterlebt – an die unterschiedlichen Orte wird sie sich nicht erinnern. Wohl aber an den festen Rahmen, den ihr das Wohnmobil bot (sie freut sich immer, auch jetzt, Wochen nach der reise, wenn wir sie ins Womo mitnehmen) und die Zeit, die sie beide Elternteile stets um sich hatte.

Unsere Empfehlung an alle, die überlegen, eine Elternzeit-Reise, womöglich sogar eine mit Wohnmobil, zu unternehmen: Tut es! Wir würdens glatt wieder machen. 🙂

Zurück in Gerresheim.

 

Eckpunkte unserer Reise:

Gefahrene Strecke: 5965 Kilometer (hinzu kommt die Fährpassage von Genua nach Barcelona)

Besuchte Länder: Acht (Deutschland, Österreich, Italien, Spanien, Andorra, Frankreich, Monaco, Schweiz – in dieser Reihenfolge)

Tage unterwegs: 58

Besuchte Campingplätze: 37

Eckpunkte: Hann. Münden (nördlichste Station), Markkleeberg bei Leipzig (östlichste Station), Barcelona (südlichste) und Bilbao (westlichste).

Größte Stadt, in der wir übernachtet haben: Barcelona

Kleinster Ort, in dem wir übernachtet haben: Quinson, Frankreich (knapp 500 Einwohner).

Eindrucksvollste Landschaften: die spanischen Pyrenäen, Cinque Terre, die Atlantikküste

Interessanteste Städte (Annes Favoriten): Lazise, Barcelona, Verona, Luzern

Interessanteste Städte (Olivers Favoriten): Barcelona, Luzern, Siena, Bilbao

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

vier × 3 =