Ankunft auf den fernen Färöer-Inseln

Irgendwo zwischen Schottland und Island, da liegen sie. Irgendwo in den stürmischen Wogen des Nordatlantiks liegt das Archipel. 18 mehr oder weniger kleine Inseln inmitten von Nichts. Felsen, Steine, Moos, kein Baum. Die Färöer-Inseln. Ein erster Eindruck.

Was die irischen Mönche hierher getrieben hat, als sie im 8. Jahrhundert diese kargen Inseln, die bis dahin wahrscheinlich als einzigen Lebewesen Vögeln bekannt waren, in Besitz nahmen, können wir heute nur vermuten: Sie suchten Einsamkeit. Und, das können wir heute noch bestätigen: Sie fanden sie.

„Ich bin mir sicher, die Leute hätten es bleiben lassen“, schrieb der Schriftsteller Klaus Böldl in seinem Reisebericht noch 2003, „wenn sie diese spitzig-schroffe Felsenwelt, die auf menschliche Bewohner so wenig ein- wie ausgerichtet ist, aus der Vogelperspektive hätten in Augenschein nehmen können.“

Wir tun genau das, als unsere winzige Düsenmaschine die Wolkendecke durchstößt und in Richtung Vágar herabsinkt. Schroffe Felsen empfangen uns zwar unterhalb der watteweißen Wolken, aber sie sind in goldenes Abendlicht getaucht. Auf den ersten Blick wirkt die Szenerie mediterran. Sind wir doch nach Sardinien unterwegs?

Färöer-Inseln

Wir landen auf Vágar. Das ist die drittgrößte Insel der Färöer und hier liegt der Flughafen. Der wirkt ein bisschen hineingewürgt in die Landschaft. Die Landebahn war bis vor kurzem noch eine der Angstpisten für Piloten – zu kurz, zu steil der Abhang am Ende der Piste. Wer zu spät aufkam, musste besser nochmal durchstarten und einen weiteren Anlauf nehmen.

Erst Ende 2011 ist die Landebahn um 500 Meter verlängert worden. Nicht unbedingt nur der Sicherheit wegen – vor allem, weil Atlantic Airways, die einzige färingische Fluggesellschaft, aufgerüstet hat: Ein neuer Airbus ergänzt den Fuhrpark. Die Airline informiert darüber mit Stolz geschwellter Brust im Bordmagazin „Atlantic Review“. Vier Seiten auf Färingisch, eine auf Englisch. Und so ein Airbus braucht ein bisschen mehr Strecke zum Bremsen oder Beschleunigen – deshalb die längere Piste.

Kein Problem mit der Landung also. Unsere Maschine, die erst zwei Stunden zuvor im jütländischen Billund gestartet war, setzt sanft auf und rollt zum Terminal. Meine Vermutung: Wer den Flugplatz Flensburg-Schäferhaus kennt, kennt auch den internationalen Flughafen der Färöer und umgekehrt. Nur einen Duty Free-Shop gibt es in Flensburg nicht.

Vier Grad Lufttemperatur und ein schneidender Wind blasen in die Kabine, als die Stewardess die Tür öffnet. Sardinien verschwindet schlagartig vor unserem geistigen Auge.

Dieser Beitrag ist bei einer Färöer-Reise im Mai 2012 entstanden. Weitere Texte folgen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

eins × zwei =