2500 Kilometer Kanada

Wir haben noch gar nicht ausführlich über unsere Reiseroute gebloggt. Das wollen wir nun nachholen. 2500 Kilometer fahren wir durch das zweitgrößte Land der Erde, durch die Rocky Mountains, Prärie und zum Pazifik. 

Wir teilen den Bericht auf mehrere Posts auf. Teil 1: Von Calgary nach Banff und Jasper.

Gestartet sind wir in Calgary, der größten Stadt der Provinz – in Kanada heißen die Bundesstaaten Provinzen – Alberta. Wir fanden Calgary interessant und recht attraktiv. Es ist eine Millionenstadt, die aber immer noch überschaubar genug und lebenswert zu sein scheint. Viel Grün, ein schöner Fluss – der für das westliche Kanada wichtige Bow River, dem wir auf unserer Reise ein ganzes Stück gefolgt sind – eine gute wirtschaftliche Basis mit den Ölfirmen, die im Norden Albertas Olsände fördern und Kanada zum größten Öl-Importeur der USA machen, und letztlich „Calgarians“, die uns trotz der Großstadt, in der sie leben, immer noch entspannt zu sein schienen. Kurzum: Calgary hat uns, soweit wir das in den anderthalb Tagen, die wir dort verbracht haben, bewerten können, gut gefallen.

Die Ölmetropole in der kanadischen Prärie: Calgary.
Die Ölmetropole in der kanadischen Prärie: Calgary.
Calgary ist jung: 1873 begann alles mit einem Polizeiposten. Boomzeit waren die 1980-er Jahre, als die Stadt sich auf die Olympischen Winterspiele vorbereitete und sehr viel gebaut wurde.
Calgary ist jung: 1873 begann alles mit einem Polizeiposten. Boomzeit waren die 1980-er Jahre, als die Stadt sich auf die Olympischen Winterspiele vorbereitete und sehr viel gebaut wurde.
Auch das ist Calgary: Am Ufer des Bow River erstreckt sich ein langgezogener Park.
Auch das ist Calgary: Am Ufer des Bow River erstreckt sich ein langgezogener Park.
Und selbst in der Shoppingmall Natur: Attraktion der neuen Einkaufsgalerie, die sich über mehrere durch Brücken miteinander verbundene Gebäude erstreckt, ist ein botanischer Garten auf der obersten Ebene.
Und selbst in der Shoppingmall Natur: Attraktion der neuen Einkaufsgalerie, die sich über mehrere durch Brücken miteinander verbundene Gebäude erstreckt, ist ein botanischer Garten mit Bäumen, Pflanzbeeten und Teichen.

Als wir das Wohnmobil übernommen hatten, sind wir nach Banff gefahren. Sobald man den Metropolenbereich Calgarys verlassen hat und aus der flachen Prärie – und das ist es wirklich um die Stadt herum – in die Berge fährt, verändert sich alles: Die Landschaft natürlich, die Luft – und die Straße.

Der große vierspurige Highway wird zu einer meistens nur zweispurigen Schnellstraße (behält aber seinen Namen „Trans Canada Highway“, die Kanadier nennen ihn nur kurz TCH) und obwohl er an vielen Stellen ausgebaut wurde oder wird, gleicht er dennoch nicht den Straßen, die wir aus Deutschland gewohnt sind. Gerade mit einem Wohnmobil muss man an vielen Stellen, vor allem Bergetappen und Winter-Überschwemmungsgebieten, aufpassen.

Auf der Hauptstraße von Banff: Mondäner Skiort in grandioser Landschaft.
Auf der Hauptstraße von Banff: Mondäner Skiort in grandioser Landschaft.

Banff hat uns sehr gut gefallen. Man muss es sich als herausgeputzten Skiort vorstellen. So eine Art St. Moritz oder Kitzbühel in den Rocky Mountains. Dazu eine grandiose Natur mit den spektakulären Bergen, dem leuchtend blauen Bow River und seinen Wasserfällen, tiefgrünen Nadelwäldern, heißen Quellen und über allem thronend das Banff Springs Hotel, das einst das größte Hotel der Welt war und auch heute noch einen besonderen Reiz hat.

Banff liegt im gleichnamigen Nationalpark, der der erste Nationalpark weltweit war. Wahrscheinlich hat auch das dazu geführt, dass die Region um Banff von Zersiedlung bisher verschont geblieben ist und es sogar ein sehr gut ausgebautes öffentliches Bus-System im ansonsten so autofreundlichen und ÖPNV-vergessenen Nordamerika gibt. Wir haben davon profitiert, weil wir für sehr wenig Geld das Wohnmobil auf dem Campingplatz stehenlassen und mit dem Bus in das Städtchen fahren konnten.

Blau schimmert der Gletschersee Lake Louise.
Blau schimmert der Gletschersee Lake Louise.

Für Banff haben wir uns zwei Tage Zeit genommen und sind dann weitergefahren nach Lake Louise, dem touristischen Ziel im Banff Nationalpark. Der türkisblau schimmernde Gletschersee zieht alle an. Wie wir uns den Massen entzogen haben, indem wir zum Teehaus am Lake Agnes gewandert sind, habe ich in einem eigenen Blogpost beschrieben.

Erwähnenswert ist, dass das Dorf Lake Louise, gut vier Kilometer vom See entfernt gelegen, eigentlich überhaupt nicht sehenswert ist: Ein kleines Einkaufszentrum, ein paar Hotels und Motels und eine Touristeninformation, die freies WLAN anbietet. Allerdings darf man nur auf deren eigenen Seiten surfen und Unterkünfte buchen. In Lake Louise erwartete uns außerdem der bisher schlechteste Campingplatz unserer Reise. Deshalb: abgehakt und schnell weitergefahren.

Nach Jasper. Das ist ein ganz schmuckes Bergdörfchen, das ebenfalls in einem Nationalpark liegt. Anders als im Banff Nationalpark nimmt man aber anscheinend in der Nebensaison von den Touristen keinen Eintritt. Jeden Tag im Banff-Park mussten wir bezahlen. Im Jasper Nationalpark wurde das zwar auch an allen möglichen Stellen angekündigt – aber niemand verkaufte uns ein Ticket oder wollte eines sehen. Wir haben es dabei beruhen lassen.

Verkehrsknotenpunkt in den Rocky Mountains: Der Ort Jasper.
Verkehrsknotenpunkt in den Rocky Mountains: Der Ort Jasper.

Jasper ist eine Art Hauptort für die kleinen Ansiedlungen drumherum und vor allem Verkehrsknotenpunkt. Uns begleitete während eines Großteils der Reise die Eisenbahn. In Jasper hat sie einen ihrer nördlicheren Knotenpunkte. Dort rangieren Güterzüge und Loks mehr oder weniger ständig, aber vor spektakulärer Landschaftskulisse. Jasper ist etwas bodenständiger als das mondäne Banff. Unser Gasfeuerzeug für den Backofen haben wir in einem der Campingshops hier bekommen. In Banff war das nicht zu kriegen.

Der Weg nach Jasper muss aber noch erwähnt werden: Der führt über den weltbekannten Icefields Parkway. Mehrere Gletscher kann man entlang der Straße sehen, die hier auf etwa 2000 Metern Höhe durch eine äußerst karge Landschaft verläuft. Wer aussteigt, bemerkt, wie kalt es hier oben ist.

Gletscher am Icefields Parkway
Gletscher am Icefields Parkway

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Und wer will, kann – ökologisch zweifelhafte – Touren mit Spezialfahrzeugen ins Gletschereis buchen oder sich die Landschaft von einer großen, an einen Felsvorsprung montierten Glasplattform, dem „Glacier Skywalk“ aus anschauen. Wir haben beides nicht gemacht, weil wir das eine, die Gletscherfahrt, für umweltschädliche Abzocke halten (das Ganze kostet nämlich ordentlich Geld) und das andere, den „Skywalk“, nur für Abzocke. Denn dort hinaufgekarrt wird von der Talstation mit Bussen jeder, der bereit ist, die 25 Dollar pro Nase zu bezahlen. Vorgewarnt, dass man aufgrund Nebels vielleicht gar nichts sehen kann, wird man natürlich nicht. Wir sind auf unserer geplanten Route auch am „Skywalk“ vorbeigefahren. So sah der dann aus:

Eher Nepp im Nebel: Der "Glacier Skywalk" am Icefield Parkway.
Eher Nepp im Nebel: Der „Glacier Skywalk“ am Icefield Parkway.

Im nächsten Teil geht es weiter mit unseren Tagen in der Natur auf dem Whistler’s Campground und der Reise wieder gen Süden nach Kamloops und ins gruselige Spences Bridge.

 

One comment

  1. Sigrid Rähse says:

    Hallo ihr 2, nachdem ich angefangen habe über eure Reise zu lesen, bin ich täglich gespannt wie es weiter geht. Durch den Block hat man das Gefühl, dass man euch begleitet. Na ja, fast….! Gute Fahrt weiterhin durch dieses große, interessante Land. LG :-)

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