Startseite » Zwischen den Meeren

Zwischen den Meeren

Später werden wir sagen können: Irgendwo zwischen dem Atlantik und dem Mittelmeer hat Joana Stehen gelernt. Vom spanischen Bilbao aus sind wir an die Atlantikküste bei Biarritz gefahren und von dort weiter über Toulouse nach Carcassonne, dann durch die Provence in die Seealpen und wieder weiter ans Mittelmeer: an die Côte d’Azur. Und wir haben auch eine Menge gelernt.

Wir sind bass erstaunt darüber, welche Fortschritte unsere kleine Joana auf dieser Reise macht. Als wir in Düsseldorf losgefahren sind, fing sie gerade an, ein bisschen zu krabbeln, immer noch unsicher auf allen Vieren. Jetzt, knapp sechs Wochen später, krabbelt sie nicht nur sicher, sondern sitzt – und zieht sich auch fröhlich an ihrem Laufstallgitter im Wohnmobil (und so ziemlich allen anderen geeigneten oder ungeeigneten Gelegenheiten) hoch und – steht. Außerdem ist sie, finden wir, sehr viel wacher geworden und bekommt mehr von ihrer Umwelt mit, reagiert stärker auf Eindrücke von außen.

Wir glauben nicht, dass es die Reise an sich ist, die diese Fortschritte begünstigt. Wir sind aber ziemlich sicher, dass es die viele Zeit ist, die wir für sie und mir ihr haben, die Freiheit, viel zu entdecken und im Freien zu krabbeln, zu rollen, zu sitzen. Wir haben den Eindruck, dass ihr all das ziemlich guttut.

Wir fragen uns natürlich manchmal, ob wir ihr nicht zu viel zumuten. Wenn ihr die Fahretappen zu lang werden, quengelt sie durchaus. Und wenn wir mit ihr längere Zeit in der Trage unterwegs sind, wird sie mitunter unruhig. Und manchmal muss auch der Tagesrhythmus angepasst werden. Der Mittagsschlaf findet dann wegen einer Besichtigung vielleicht später statt oder – wenn es zu aufregend ist – auch mal gar nicht. Dafür rumort die Maus dann abends lange im Laufstall oder schläft eben früh ein.

Aber: Joanas Fröhlichkeit, die Ruhe, mit der sie in aller Regel die Fahretappen meistert (wir machen regelmäßig Pausen) und die Lern-Fortschritte die sie macht, lassen uns glauben, dass es ihr gut geht und sie auch ein bisschen Spaß am Abenteuer „Europa im Wohnmobil“ hat.

Toller Blick über die Stadt: Der Stellplatz „Kobetamendi“ in Bilbao.

Dieses Abenteuer hat uns nach unserer Pyrenäen-Etappe (nochmal: Fahrt da hin, es ist unglaublich schön!) nach Bilbao in den Nordwesten Spaniens gebracht, in die Hauptstadt des Baskenlandes. Wir standen mit dem Womo auf dem ziemlich spektakulären Stellplatz „Kobetamendi“ oberhalb der Stadt und mit einem faszinierenden Blick auf dieselbe. Der Stellplatz ist so, wie man sich einen Wohnmobil-Stellplatz (es ist kein Campingplatz) wünscht: Tolle Aussicht, ausreichend groß parzellierte Plätze, Strom- und Wasseranschluss am Platz, Entsorgungsmöglichkeiten, Toiletten und kostenfreies WLAN zumindest im Bereich der Rezeption. Außerdem: Eine prima Busanbindung in die Stadt fast direkt vor der Tür. Alles für 15 Euro pro Nacht. Man kann es viel schlimmer treffen.

Bilbao bei Nacht: Der Blick aus unserem Womo.

Bilbao haben wir dann zufälligerweise in der „Semana Santa“, der heiligen Karwoche vor Ostern, kennengelernt. Traditionell blüht dann das Leben in der Stadt und beim Baskischen Festival sind unzählige Bühnen an allen Ecken aufgebaut und ebenso unzählige Musiker und Bands treten auf.

Eng, aber bunt: die Altstadt von Bilbao

Wir haben uns in Bilbao sehr wohlgefühlt und auch ein wenig Kulturprogramm absolviert: Das Guggenheim-Museum in seinem außergewöhnlichen, mit Titanplatten verkleideten Bau (wir konnten es in der Abendsonne von unserem Stellplatz über der Stadt glänzen sehen) haben wir uns auch von innen angesehen. Mit Joana natürlich – und unsere Bedenken, dass es anstrengend werden würde mit ihr im Museum, haben sich schnell zerstreut. Sie fand es anscheinend spannend. Warhols 150 Marilyns haben ihr gut gefallen und ansonsten vor allem der nette Museumswärter, der die Rupfsche (Picasso-lastige) Sammlung bewachte und nebenbei gehörig mit ihr flirtete.

Peggy und der Blumenhund: Das tierische Wahrzeichen des Guggenheim-Museums

Durchgedreht: Die Architektur des Guggenheim (von Frank O. Gehry) ist sehr besonders.

Von Bilbao in Spanien haben wir dann „rübergemacht“ nach Frankreich. Die Grenze ist sehr unspektakulär: Es ist einfach nur eine Autobahnmautstation. Man merkt, dass man in Frankreich ist, eigentlich nur daran, dass ein anderer Betreiber die Maut kassiert.

Wir sind in Richtung Biarritz gefahren, an die Atlantikküste. Oder genauer: An die Biskaya, die Küste, die auch wir bisher nur aus dem Wetterbericht der Tagesschau kannten. 🙂 Zwei Nächte haben wir auf dem sehr gepflegten Campingplatz „Merko-Lacarra“ im Küstenort St. Jean de Luz verbracht, den wir auch empfehlen können. Er liegt fast direkt an einer kleinen Steilküste mit mehreren Sandbuchten. Hier lassen sich Sonnenuntergänge an der Brandung genießen… Wir konnten diese Brandung auch von unserem Stellplatz aus hören – ein sehr beruhigendes Geräusch, das uns in den Schlaf gewogen hat.

 

Stadtverkehr in Bilbao am Karfreitag…

…und die tolle Atlantikküste bei St. Jean de Luz im französischen Departement Pyrénées-Atlantiques.

Eigentlich wollten wir den großartigen Gorges du Verdon besichtigen, so eine Art Grand Canyon Europas. Als allerdings die Straßen immer schmaler und kurvenreicher wurden und die Straßenkarte eher noch schmalere und kurvenreichere Straßen bis zum Ziel verhieß, hat uns der Mut verlassen, diese Strecke mit unserem Sieben-Meter-Geschoss zu fahren. Nach der Kurverei durch die Pyrenäen hatten wir auch einfach keine Lust mehr auf Serpentinen. Wir haben deshalb einen Campingplatz am unteren Stausee des Verdon bei dem kleinen Örtchen Quinson aufgesucht und es uns hier einen Abend und eine Nacht lang bequem gemacht.

Unser Stellplatz in St. Jean de Luz am Atlantik. Trotz des Osterwochenendes: Wir waren fast allein auf dem Platz.

Über einen Zwischenstopp für eine Nacht bei Toulouse, zwei Nächte am Pont du Gard, dem Aquädukt aus der Römerzeit bei Nimes und einer Nacht am schönen Canal du Midi haben wir dann noch einmal eine kurze Bergetappe eingelegt und sind in die Ausläufer der Seealpen gefahren.

Die mittelalterliche Festung von Carcassonne

Noch älter: das Aquädukt Pont du Gard

Nicht Florida, sondern Provence: Der Canal du Midi.

Und nun: die Côte d’Azur. Wir haben uns ein paar Tage Ruhepause verordnet und stehen nun auf einem sehr schönen Platz in Saint-Raphaël zwischen den mondänen Seebädern Saint Tropez und Cannes. Von hier aus wollen wir die Küste erkunden, wollen nach Cannes und nach Monaco. Jetzt aber erstmal zwei, drei Tage entspannen. 🙂

Am Verdon bei Quinson.

 

Die Elternzeit-Reise mit dem Wohnmobil
Anne und Oliver unternehmen eine achtwöchige Elternzeit-Reise mit ihrer kleinen Tochter Joana. Sie fahren mit einem Wohnmobil durch Südeuropa und bloggen hier über die Reise. Alle Beiträge über die Elternzeit-Reise finden sich in dieser Übersicht. Unsere Erfahrungen mit Wohnmobil-Reisen mit Kind haben wir in einem eigenen Beitrag aufgeschrieben.

Vielleicht auch interessant:

One comment

  1. Nierhoff says:

    Sehr schön, macht Lust dorthin zu reisen. Leider haben wir keine Elternzeit und müssen mit unserem Urlaub sehr haushalten. Euch noch viel Spaß, eine gute Zeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

1 × 2 =