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Wohnmobil-Reise mit Kind – wie funktioniert das?

Unsere Reise ist anders als die Urlaube, die wir bisher gemacht haben. Zum ersten Mal reisen wir zu dritt – und zwar mit einem kleinen Kind. Und außerdem im Wohnmobil. Hier sind unsere Erfahrungen und Tipps für alle, die auch so etwas planen.

Joana ist die Hauptperson unserer Elternzeit-Reise – ohne sie würden wir diese Tour gar nicht machen. Sie ist als Baby aber natürlich auch besonders in ihren Bedürfnissen, die wir beachten müssen. Weil uns Fragen zu diesem Thema erreichen, sind hier unsere bisherigen Erfahrungen zum Thema „Wohnmobil-Reise mit Baby“. Vielleicht ist für alle, die etwas Ähnliches planen, die ein oder andere hilfreiche Information dabei.

Dieser Artikel ist ausnahmsweise in Frage-Antwort-Form gehalten. Wessen Frage nicht beantwortet wird, der möge uns bitte einen Kommentar hinterlassen – wir werden versuchen, alle Fragen zu beantworten.

Kann man Babys und Kleinkindern eine längere Reise im Wohnmobil zumuten?

Wir meinen: ja. Gerade Babys sind relativ berechenbar in ihren Bedürfnissen: Sie wollen schlafen, essen, spielen – vor allem aber wollen sie ihre Eltern um sich haben. Und wenn die entspannt sind (weil sie Urlaub haben und nicht den Alltag bewältigen müssen), ist das für Kinder noch angenehmer.

Wo sie sind, ist Babys zumeist egal, so lange die Umgebung für sie angenehm ist. Ein Übernachtungsplatz an einer viel befahrenen Hauptstraße ist für Babys genauso unangenehm wie für die Eltern. Anders als die verstehen sie die Situation aber nicht und reagieren mit Weinen oder zumindest Unruhe.

Wir haben in einer Woche Probe-Urlaub im vergangenen Herbst mit einem gemieteten Wohnmobil getestet, wie Joana überhaupt auf diese Art des Reisens reagiert. Ihr hat es Spaß gemacht. Was wir bei unserer jetzigen Reise nach kurzer Zeit festgestellt haben: Sie erkennt das Wohnmobil als vertraute Umgebung wieder und freut sich nach vielen neuen Eindrücken an fremden Orten auch, wieder im Womo zu sein. Das Ergebnis ist eine zufriedene und ruhige Joana. Diesen Effekt hätte man bei einer Reise mit Zimmern in unterschiedlichen Hotels o.ä. nicht.

Wie lang können die Fahrstrecken sein?

Die Reise sollte natürlich auf die Bedürfnisse des Kindes angepasst sein. Wir fahren auf unserer Elternzeit-Reise bewusst nur relativ kurze Tagesetappen (maximal etwa 280 Kilometer oder drei Stunden) und planen auch während dieser Etappen mindestens eine Pause ein – sei es zum Stillen oder auch einfach nur, damit Joana sich zwischen den Zeiten im MaxiCosi ausstrecken und ein bisschen krabbeln kann. Man muss sich von den gewohnten Etappen von 500 oder mehr Kilometern definitiv verabschieden. Mit einem Wohnmobil ist man selten schneller als mit 100 bis 120 Stundenkilometern unterwegs. Und mehr als drei Stunden Fahrt am Tag muten wir Joana nicht zu. So lassen sich die Tagesetappen recht einfach berechnen. Das ist langsames Reisen – aber eben auch entspannt. Wer stets längere Etappen plant, macht unserer Meinung nach einen Fehler (und wird in den meisten Fällen ein unzufriedenes und quengelndes Kind haben).


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Kann man überall hin fahren?

Nein. Lassen Sie gesunden Menschenverstand walten. Fahren Sie mit Ihrem Kind nicht in unsichere Gebiete. Fahren Sie an Orte, die ein Mindestmaß an kindgerechter Infrastruktur aufweisen (sauberes Trinkwasser, Waschmöglichkeiten, Einkaufsmöglichkeiten für Windeln und alles, was Babys sonst so brauchen). Wir haben uns bei unserer Elternzeit-Reise bewusst weitestgehend auf Länder der EU beschränkt (die wilde Schweiz mal ausgenommen), weil so Formalitäten und Unwägbarkeiten entfallen, auf die man sich bei einer „normalen“ Reise zwar durchaus einlassen würde, die aber mit Kind vielleicht doch zu aufwändig und unberechenbar würden. Das muss aber jeder für sich entscheiden.


Unsere Reiseroute. Diese eingebettete Karte von Stepmap ist stets aktuell. Routenänderungen tragen wir hier ein.

Welches Wohnmobil sollte man nehmen?

Es sollte vor allem groß genug sein. Der Rest ist nicht so wichtig, ist unsere Meinung. Wenn Sie aber nur beengt schlafen können, weil Ihr Kind einen Großteil des Bett-Platzes in Anspruch nimmt (und das tun Kinder!), dann schlafen Sie schlecht, sind in der Folge unentspannt und darunter leidet die Stimmung, was wiederum Ihr Kind mitbekommt und entsprechend reagiert.

Wir haben uns vor der Reise auf einer Messe (wir haben das Glück, dass die größte Caravaning-Messe Europas, der „Caravan-Salon“ bei uns in Düsseldorf stattfindet), bei verschiedenen Händlern, im Internet und in Fachzeitschriften informiert und außerdem eine Probe-Reise von einer Woche in einem gemieteten Wohnmobil gemacht. So haben wir uns Schritt für Schritt an den für uns richtigen Grundriss eines Wohnmobils herangearbeitet.

Wir haben schlussendlich einen Knaus „Sky Wave“ gekauft. Den haben wir gebraucht gekauft, und zwar von einem Vermieter, der, wie das so üblich ist, seinen Fuhrpark alle ein bis zwei Saisons austauscht. Über das Netz (Gebrauchtwagenbörsen) haben wir so ein Wohnmobil gefunden, das jetzt knapp zwei Jahre alt ist. Günstiger sind zwar die noch älteren, die sind aber meistens auch schon sehr runtergenudelt, so dass man in der Regel schnell viele technische Probleme bekommt.

Muss man ein Wohnmobil kaufen oder kann man eines mieten?

Wir haben uns für den Kauf entschieden, weil eine Wohnmobilmiete etwa 100 Euro am Tag kostet. Bei unseren 60 Tagen Reise wären wir so schon auf 6000 Euro Kosten gekommen – nur für das Mobil und ohne einen Liter Diesel hineingeschüttet zu haben. Unser gekauftes Mobil werden wir dagegen wahrscheinlich noch einige Jahre nutzen. 

Welchen Grundriss sollte man nehmen?

Letztlich muss das jeder für sich entscheiden. Der Markt ist riesig und die Auswahl an unterschiedlichen Grundrissen ist es auch. Wir haben uns für den „Knaus Sky Wave 650 MF“ entschieden, weil der ein sogenanntes französisches Bett hat, also eines, das neben dem Badezimmer gelegen, für zwei Personen gedacht und am Fußende abgeschrägt ist (den Grundriss gibt es hier bei Knaus) Wir wollten das, weil es für uns die sinnvollste Platzaufteilung im Wohnmobil ist. Bei den Mobilen, die große Doppelbetten oder Liegeflächen haben, fällt in der Regel der Aufenthaltsbereich kleiner aus. Bei unserem Grundriss hingegen gibt es vorne noch eine Bank in Längsrichtung, die sich als sehr praktisch erwiesen hat – für Besucher, fürs Stillen oder auch für die Kinderwagen-Kiste, in der wir Joana in den ersten Monaten oft hatten.

Wo kann das Baby denn liegen oder krabbeln?

Da Joana immer mobiler wird und mit dem Krabbeln anfängt, brauchten wir auch eine Möglichkeit, sie im Mobil irgendwo krabbeln zu lassen ohne Gefahr zu laufen, dass sie herunterfällt oder an irgendetwas herankommt, was sie besser nicht erreichen sollte. Hier gibt es nichts „von der Stange“, weswegen wir uns (mit der Hilfe meines Schwiegervaters) für einen Eigenbau entschieden haben. Wir haben für den Einstieg ins Bett ein Gitter aus Holz bauen lassen, das man bei Bedarf in vier Blöcke einhängen kann, die wir an die Wände angebracht haben. So entsteht aus dem Bett im Handumdrehen ein Laufstall. 🙂

Bett ohne und mit Laufstall-Gitter (den Slider kann man nach links oder rechts ziehen, um die Bilder zu betrachten).

Wo kann das Kind schlafen?

Bei uns schläft derzeit Anne neben Joana an der offenen Seite des Bettes und sichert sie so vor dem Herausfallen. Ich schlafe im Hubbett – das ist das zweite Bett im Wohnmobil, das man von der Decke über der Dinette herablassen kann. Wenn Joana größer ist, wird sie wahrscheinlich im Hubbett schlafen wollen. Das hat dafür an beiden Seiten stabile Netze als Fallschutz, die man hochziehen kann.

Unser Hubbett im vorderen Teil des Wagens: Normalerweise ist es hochgeschoben an der Decke, zum Schlafen kann man es auf angenehme Höhe herabziehen und eine Leiter anstellen (den Slider kann man nach links oder rechts ziehen, um die Bilder zu betrachten).

Wo kann man das Kind stillen oder füttern?

Die kurze Antwort ist: überall. Gestillt wird Joana nachts direkt im Bett, tagsüber wahlweise auf der Längsbank in der Dinette, auf dem Fahrersitz (die beiden Sitze vorn kann man umdrehen und sie so zu einem Teil des Wohnraums machen) oder auf der Querbank in der Dinette. An all diesen Orten und bei gutem Wetter draußen bekommt sie auch ihren Brei. Das ist ziemlich unkompliziert.

Muss man einen Hochstuhl mitnehmen?

Auch eine Entscheidung, die jeder für sich treffen muss. Wir haben keinen. Bisher sitzt Joana noch nicht, weswegen wir uns gegen die Mitnahme entschieden haben. Draußen kann sie im Kinderwagen liegen oder sitzen, weil der auch zum Buggy umgebaut werden kann. Wenn Joana jetzt mit uns am Tisch sitzen will (will sie meistens), dann nehmen wir sie abwechselnd auf den Schoß. Als Alternative haben wir noch eine Babywippe dabei. Darin zu liegen, akzeptiert Joana aber eher auf Basis der Tageslaune… 😉

Wo kommt der MaxiCosi hin?

Während der Fahrt muss das Kind in den MaxiCosi, bis es sitzen kann. Das erfordert einen kleinen Umbau bei uns: Der Tisch wird aus dem Wohnraum herausgenommen (kann man bei den meisten Wohnmobilen in der Regel mit einem Handgriff machen) und aufs Bett hinten gelegt. Dann ist genug Platz auf der Querbank in der Dinette, um dort den MaxiCosi anzubringen (unser Wohnmobil hat offiziell vier Sitzplätze: Fahrer- und Beifahrersitz, sowie zwei auf der Querbank. Die ist deshalb mit Gurten ausgestattet).

Die Dinette mit Tisch bzw. ohne Tisch, dafür mit MaxiCosi (und Joana). Den Slider kann man nach links oder rechts ziehen, um die Bilder zu betrachten.

Braucht man spezielle Versicherungen und Dokumente für das Ausland?

Es empfiehlt sich, eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen, denn die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung sind im Ausland stark begrenzt. Wir haben eine Versicherung für die ganze Familie abgeschlossen und zahlen dafür nur 24 Euro für ein Jahr. Wir haben darauf geachtet, dass unsere Reisedauer abgedeckt ist (wir brauchten 60 Tage, die meisten Versicherungen gelten aber nur für die ersten 45 Tage einer Auslandsreise), dass die Kosten für einen Krankenrücktransport übernommen werden, und dass bei Krankenhausaufenthalten oder Rücktransporten auch immer ein Elternteil dabei sein kann, sollte Joana krank werden. Diese Versicherungen kosten sehr wenig Geld, helfen aber, wenn es notwendig wird.

Außerdem haben wir, auch wenn wir in der EU bleiben, für alle Familienmitglieder Reisedokumente dabei. Auch Joana hat ihren eigenen Personalausweis. Man kann Kinder leider nicht mehr auf dem Reisepass der Eltern eintragen lassen. Sie brauchen eigene Dokumente. Das kann ein Kinderausweis sein, ein Reisepass oder eben ein eigener Personalausweis.

Was sagt der Kinderarzt dazu?

Er wünschte uns viel Spaß und gute Reise. 😉 Zwei Tipps hatte er aber noch: Erstens große Höhen vermeiden. Deshalb haben wir Joana auch nicht auf die Zugspitze mitgenommen. Zu Recht, denn sie hätte mit dem Temperatur-, vor allem aber mit dem Druckunterschied wahrscheinlich sehr zu kämpfen gehabt. Das müssen wir ihr nicht antun. Der zweite Tipp: Eine Flasche Wund-Desinfektionsmittel speziell für Kinder mitzunehmen. Das wirkt auch bei Erwachsenen, brennt aber bei beiden nicht.

Die Elternzeit-Reise mit dem Wohnmobil
Anne und Oliver unternehmen eine achtwöchige Elternzeit-Reise mit ihrer kleinen Tochter Joana. Sie fahren mit einem Wohnmobil durch Südeuropa und bloggen hier über die Reise. Alle Beiträge über die Elternzeit-Reise finden sich in dieser Übersicht.

One comment

  1. Euer Artikel ist wirklich toll! Da wir in ein paar Wochen auch zu dritt sein werden, planen wir auch den ersten gemeinsamen Urlaub mit dem Wohnmobil zu verbringen. Da sind eure Erfahrungen sehr schön zu lesen. Viele Grüße Yvonne

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