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Wie wir mal die EU verließen und dann nichts taten

Das war der Haxit: Die Havlats haben die EU verlassen. Und dann: Taten sie nichts. Zwei entspannte Tage haben wir in Andorra verbracht, dem Zwergstaat zwischen Frankreich und Spanien, mitten in den Pyrenäen.

Von Barcelona aus sind wir gen Norden in die Pyrenäen gefahren. Anfangs noch auf einer gut ausgebauten Autobahn und durch immer einsamer werdende Landstriche, dann hoch ins Gebirge und vorbei an ziemlich imposanten Stauseen (mit Segelschulen!), durch Tunnel und schließlich auf einer Landstraße bis zu einem Schlagbaum mitten in den Bergen.

Imposante Landschaft auf dem Weg nach Andorra. 

Hier ist eine der letzten innereuropäischen Grenzen noch in Betrieb: Wir sind in Andorra, dem Zwergstaat zwischen Frankreich und Spanien mit gut 80.000 Einwohnern, aber ohne EU-Mitgliedschaft. Man zahlt hier zwar mit dem Euro, kann seine Postkarten wahlweise mit der französischen oder der spanischen Post verschicken und Staatsoberhäupter sind einerseits der Bischof von Urgell, dem Nachbarort in Spanien, und (derzeit noch) François Hollande, also der französische Staatspräsident – aber trotzdem haben wir mitten in Europa plötzlich die EU verlassen und sind – für Mitteleuropäer völlig ungewohnt – mit gezückten Ausweisen an Grenzbeamten in Grenzhäuschen vorbeigefahren (die uns allerdings gelangweilt durchgewinkt haben).

Nicht mehr so hässlich wie sein Ruf: Moderne Gebäude und ein aufgeräumt lokaler Baustil prägen mittlerweile eher das Bild von Andorra la Vella.

Andorra, hieß es vor unserer Reise in der Literatur, sei vor allem eines: hässlich. Denn die Geschäftsgrundlage ist seit über 60 Jahren die Idee des Steuerparadieses. Es wird fast keine Umsatzsteuer erhoben, weshalb gerade Alkoholika, Tabak, Benzin, Mode und Unterhaltungselektronik hier günstiger sind als in den Nachbarstaaten. Andorra entwickelte sich deshalb seit den 1950-er Jahren zu einem Shopping-Paradies: Einkaufszentrum reiht sich an Einkaufszentrum und selbst jede Tankstelle verkauft alle möglichen Artikel steuerbegünstigt. Ein bisschen ist Andorra eine Art Helgoland im Gebirge. Schnell wurden deshalb in den letzten Jahrzehnten die Gebäude hochgezogen, man achtete mehr auf Praktikabilität denn auf Ästhetik und so verkam Andorra in dieser Hinsicht zum Fuselfelsen der Pyrenäen.

Unser Stellplatz auf dem Campingplatz in Xixerella.

Allein: Das Image ist schlechter als die Wirklichkeit. Es hat sich anscheinend sehr viel getan in Andorra, das seine wirtschaftliche Zukunft mittlerweile mehr im Wintersporttourismus und – ganz neu – als internationaler Finanzplatz sucht (dazu beigetragen mag auch haben, dass die EU-Kommission im Rahmen ihres Maßnahmenpaketes zur Bekämpfung von Steuerflucht Andorra mittlerweile auf der schwarzen Liste der Steueroasen führt). Uns kam Andorra sehr modern und aufgeräumt vor (die chaotische Straßenführung ist wohl am ehesten den beengten Platzverhältnissen geschuldet), viele neue Einrichtungen (wie Ski-Infrastruktur, eine Therme, Banken) sind entstanden und bei fast allem achtet man mittlerweile auf Hochwertigkeit und Ästhetik.

Und was haben wir nun in Andorra gemacht? Die Antwort ist kurz: Nichts. Wir haben zwei Nächte auf dem sehr schönen Campingplatz „Xixerella“ im gleichnamigen Örtchen westlich der Hauptstadt Andorra la Vella verbracht und die grandiose Bergwelt um uns herum genossen. Joana hat sich gefreut, nach Herzenslust auf der Wiese krabbeln (und nicht ganz nach Herzenslust Gänseblümchen essen) zu dürfen und wir haben relaxt. Soll man ja machen können im Urlaub, selbst im Shopping-Paradies Andorra.

Trotzdem haben wir zum ersten Mal in unserem Leben bei der Wiedereinreise nach Spanien eine Zollkontrolle mitmachen müssen. Unser Konsum in Andorra beschränkte sich zwar auf zwei Päckchen Halsbonbons und 64 Liter Diesel – für 94 Cent pro Liter, wir konnten nicht widerstehen – was ich dem Zöllner auch auf Englisch erklärte. Der jedoch ließ sich nicht beeindrucken und zeigte mangels Englischkenntnissen nur auf die Fächer, die er geöffnet haben wollte, um sie zu begutachten. Nach der Heckgarage und unter anderem unserem Schokoladen-Schapp war es ihm dann genug und wir durften unseres Weges fahren.

Was folgte, war der bisher spektakulärste Abschnitt unserer Reise.

Die Elternzeit-Reise mit dem Wohnmobil
Anne und Oliver unternehmen eine achtwöchige Elternzeit-Reise mit ihrer kleinen Tochter Joana. Sie fahren mit einem Wohnmobil durch Südeuropa und bloggen hier über die Reise. Alle Beiträge über die Elternzeit-Reise finden sich in dieser Übersicht. Unsere Erfahrungen mit Wohnmobil-Reisen mit Kind haben wir in einem eigenen Beitrag aufgeschrieben.

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One comment

  1. Michael says:

    Grossartige Lektüre, lieber Oliver !(und natürlich Anne, unbekannterweise herzliche Grüsse!)
    Genieße sie gerade im Oster’break‘ in BCN!
    Liebe Grüße und gute Weiterreise!

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