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Nordwärts

Kurz vor Genua haben wir den Kurs eingeschlagen, der uns nach Hause führen soll: gen Norden. Allerdings nicht ohne Halte an den so ziemlich schönsten Seen, die Mitteleuropa zu bieten hat.

Unsere Vermutung, dass vor allem Joana an der sukzessiven Zerstörung unseres Wohnmobils großen Anteil haben würde, hat sich nicht bewahrheitet. Das machen wir schon selbst.

Beispielsweise mit Kaffee. Man kann einen Filter mit frisch aufgebrühtem Kaffeepulver mit etwas zu viel Wucht in die Spüle donnern, um den ganzen Küchenbereich von der Decke bis zum Boden mit nassem Kaffeepulver zu bespritzen. Das war ich. Wir müssen schauen, wie wir die Kaffeeflecken aus dem Velours-Stoff der Deckenverkleidung herausbekommen.

Man kann aber auch beim Kaffeeaufgießen einfach die ganze Kanne umkippen und so anderthalb Liter Kaffee in den Gasherd schütten. Dann dauert es sehr lange, bis man alles aufgeschraubt, trockengetupft und jeden Brenner einzeln von trocknendem Kaffeepulver befreit hat. Das war Anne. Zwei von drei Flammen funktionieren mittlerweile wieder. Die dritte kriegen wir auch noch flott. Und an das allfällige Herauspulen von Kaffeeresten aus allen Ecken der Küche haben wir uns nun gewöhnt.

Auf einem engen Supermarktparkplatz in Barcelona haben wir die Höhe unseres Fahrzeugs unterschätzt und beim Abbiegen ein stählernes Sonnendach gestreift. Daraufhin hat sich eine Scheuerleiste, die einmal an der Seite des Wohnmobils war, selbstständig gemacht, so dass wir auf der Autobahn eine Art Schleppe hinter uns hergezogen haben. Die Leiste haben wir gerettet. Jetzt brauchen wir eine Leiter, um sie wieder anbringen zu können.

Und auf einer engen Küstenstraße an der wildromantischen Côte D’Azur sind wir – ebenso wie der entgegenkommende Landrover – ein wenig zu weit in der Mitte der Straße gefahren, was dazu führte, dass sich unsere Außenspiegel touchiert haben. Keiner hat angehalten, wir aber haben nachher festgestellt, dass wir zumindest eine neue Plastik-Verkleidung für den Außenspiegel brauchen. (Unser Tipp für alle Camper: Immer eine Rolle Duct Tape dabei haben. Damit kann man solche Sachen zumindest notdürftig reparieren.)

Das sind natürlich Kleinigkeiten. Insgesamt sind wir sehr froh, dass wir keinerlei größere technische Schwierigkeiten auf der Reise hatten. Das Wasser, das im Womo-Bad plötzlich nicht mehr in den Abwassertank, sondern auf den Boden lief (eine durch die Rüttelei beim Fahren aufgegangene Rohrkupplung – hier hat Knaus an einer Gummidichtung gespart) haben wir ebenso gut beheben können (Duct Tape!!) wie die kaputte Birne des rechten Frontscheinwerfers austauschen (lassen). Horrorgeschichten, wie man sie in Campingforen liest (Getriebeschaden im Gebirge, Reifenpannen auf engen Landstraßen und so was), sind uns bisher erspart geblieben. Drückt uns die Daumen, dass es weiterhin so bleibt.

Cannobio am Lago Maggiore – ein schmuckes kleines Städtchen mit schöner Altstadt.

Insgesamt neigt sich unsere Reise dem Ende entgegen. Wir sind jetzt acht Wochen unterwegs, haben 5200 Kilometer auf dem Zähler, über 30 Campingplätze besucht – und sind immer noch guter Dinge.

Wir haben ein bisschen Tempo heraus- und uns für die letzten Etappen mehr Zeit genommen. Von der Mittelmeerküste haben wir uns nach den Tagen an der Côte d’Azur, einer Monaco-Durchfahrt im Regen und einer Nacht auf einem ganz schönen Campingplatz an der italienischen „Blumenküste“ verabschiedet und sind kurz vor Genua gen Norden abgebogen. Durch die Po-Ebene sind wir dann bis an den Lago Maggiore gefahren, der ja mal einer der schönsten Seen ist, die wir bisher gesehen haben.

Solcio – der Campingplatz bot tolle Stellplätze direkt am Wasser

Auf dem kleinen Campingplatz in Solcio an der Westseite des Sees haben wir einen tollen Stellplatz direkt am Wasser bekommen und drei schöne, ruhige Tage verbracht. Scubi haben wir hier wieder zu Wasser lassen und mit ihm von der Wasserseite aus die Ufer des Lago erkunden können. Ich habe auch einmal auf die andere Seeseite übergesetzt. Das Wasser des Lago, immerhin eines Gebirgssees, denn wir sind jetzt wieder in den Alpen, ist eiskalt. Hier machte sogar das Baden im Neoprenanzug keinen Spaß…

Wir haben übrigens eine Theorie zur Qualität der Campingplätze entwickelt: Je weiter man nach Norden kommt, desto höher ist die Qualität vor allem der Sanitäranlagen. Ab Solcio gab es wieder ein festes Sanitärgebäude mit Wänden und einer Heizung (weiter im Süden sind es meistens nur Dächer, unter denen dann die Anlagen montiert sind. Man duscht praktisch im Freien, was im Sommer kein Problem, im Frühjahr aber verflixt kalt sein kann.) sowie Toilettenpapier…

Ausnahmen bestätigen diese Regel: Wir haben auf einzelnen Campingplätzen auch in Spanien, Italien und Südfrankreich durchaus tolle Campingplätze vorgefunden.

Der Grenzübergang am Ufer: Italien ist hier zu Ende, die Schweiz beginnt.

Jetzt sind wir in der Schweiz, dem achten Land auf unserer Reise. Nach zwei weiteren Nächten am Lago Maggiore – einmal etwas weiter nördlich in Cannobio, einem sehr pittoresken italienischen Seebad kurz vor der Schweizer Grenze, und einmal bei Locarno am jetzt schweizerischen Nordufer des Sees – sind wir durch den Gotthard-Tunnel (17 Kilometer lang und ehrlich gesagt ziemlich langweilig) nach Luzern weitergefahren.

Öde 17 Kilometer: Der Gotthard-Tunnel.

Luzern liegt am Vierwaldstätter See, dem dritten See (nach Gardasee und Lago Maggiore) auf unserer Reise. Und der steht den ersten beiden in nichts nach. Wer hierher kommt, sollte unbedingt das azurblaue Wasser genießen und den Blick auf das Bergpanorama mit den Hausbergen Rigi und Pilatus. Auf den Pilatus haben wir uns am zweiten Tag unseres Aufenthalts gewagt. Er ist 2131 Meter hoch und wir haben die Seilbahn genommen. Übrigens die bisher teuerste Seilbahnfahrt meines Lebens. Wir wissen ja, dass man nicht zum Geldsparen in die Schweiz fährt. Aber 144 Franken (= 140 Euro) für „zwei Erwachsene zum Gipfel und zurück“? – da haben wir doch geschluckt. Gelohnt hat es sich, denn die Aussicht vom Pilatus auf die Zentralschweiz ist schon atemberaubend.

Der Vierwaldstätter See von oben.

Auf dem Pilatus.

Luzern selbst hat sich uns als sehr entspannte, angenehme Stadt präsentiert. Wir sind über die Kapellbrücke über die Reuss flaniert, haben uns das historische Nadelwehr angesehen, mit dem bis heute der Wasserstand des Vierwaldstätter Sees reguliert wird und sind durch die Altstadtgassen gebummelt. Außerdem haben wir das „Verkehrshaus der Schweiz“ besucht, das meistbesuchte Museum der Schweiz, und viel über den Bau des neuen Gotthard-Tunnels gelernt. Wer dorthin will: Lasst Euch eine Führung von einem der pensionierten Lokführer geben! Das lohnt sich.

Luzern: Die Kapellbrücke mit dem historischen Wasserturm.

Unser Campingplatz in Luzern liegt direkt neben dem Verkehrshaus, aber leider nicht direkt am See (dazwischen ist noch ein Strandbad). Wer aber Luzern mit dem Wohnmobil besuchen will, dem sei der Camping „Lido“ sehr empfohlen. Auf dem Platz ist alles in Ordnung (auch die Sanitärhäuser), selbst das WLAN funktioniert ganz gut und die Anbindung an die Innenstadt funktioniert tadellos über drei Buslinien, die vor dem Verkehrshaus abfahren (kostenlos für Campinggäste, weil man mit der Anmeldung an der Rezeption eine Touristenkarte ausgehändigt bekommt).

Der Vierwaldstätter See

Morgen geht es weiter zum Rheinfall nach Schaffhausen – und dann zurück nach Deutschland.

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