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Ein versunkenes Dorf und eine Jungfernfahrt auf dem Gardasee

So langsam müssen wir mit dem Blog unserer Route mal wieder hinterher kommen. Wir sind über den Fernpass und den Reschenpass nach Südtirol gefahren, haben ziemlich schräg gestanden und endlich „Scubi“ zu Wasser gelassen.

Vom alten Graun zeugt nur noch der Kirchturm. Das kleine Dorf ist 1950 in den Fluten versunken, als hier, im Vinschgau in den Südtiroler Alpen, der neue Reschensee aufgestaut wurde. Es war ein damals gigantisches Energieversorgungsprojekt, mit dem die Wasserkraft nutzbar gemacht werden sollte. Allerdings gar nicht zuerst für das italienische Vinschgau selbst, sondern vor allem für die benachbarte Schweiz, die großen Energiehunger hatte und eine stattliche Summe Geld für eine sichere Versorgung mit Winterstrom bot. Da mochte man nicht nein sagen, siedelte die Bevölkerung um und sprengte schließlich das Dorf Graun, größere Teile des Dorfes Reschen und einige andere Weiler. Einzig den denkmalgeschützten Kirchturm aus dem 14. Jahrhundert, das Wahrzeichen Grauns, wollte man nicht opfern. Deswegen gibt es ihn noch heute. Er ragt einfach aus dem Reschensee heraus.

Den Kirchturm aus dem 14. Jahrhundert hat man nicht abgerissen, deshalb ragt er nun als einzige Erinnerung an das alte Dorf Graun aus dem Reschensee. Wenn der richtig zugefroren ist, kann man zum Turm laufen.

Wir sind von Heiterwang in Österreich aus über den Fernpass und den Reschenpass ins Vinschgau gefahren. Das ist generell eine gute Idee, weil es eine landschaftlich schöne Strecke ist. Wer auch so etwas machen möchte, dem sei jedoch geraten, nach Möglichkeit nicht gerade samstags zu fahren, denn dann machen ungefähr alle anderen dasselbe. Wir haben Autokennzeichen aus allen (deutschen Bundes-) Ländern auf der Strecke gesehen. Durchs Ruhrgebiet sind wir ohne Störung gekommen – in den Alpen standen wir im Stau.

Südtirol empfing uns mit Regen, aber dennoch milden Temperaturen. Die letzten Schneereste schmolzen vor sich hin und nur die Skihänge, die noch in Betrieb waren, glänzten weiß beschneit, als sich am zweiten Tag die Sonne ihren Weg durch die Wolken brach. Im kleinen Örtchen Sankt Valentin auf der Haide (italienisch viel schöner: San Valentino alla Muta) haben wir auf einem sehr kleinen Campingplatz an einem Hotel übernachtet. Tolle Sanitärräume gab es dort – unter anderem auch ein Familienbad. Zwar hatte man dort an Haken und Ablagemöglichkeiten gespart, aber in dem geräumigen Bad konnten wir unsere Anti-Wassermaus Joana zumindest gemütlich duschen. Sie fands, wie alles, bei dem sie nass wird, so lala…

Was uns als Südtirol-Neulinge ernsthaft überrascht hat: Man spricht hier Deutsch. Wir sind zwar in Italien und alle Schilder und Hinweise finden sich auch auf Italienisch – aber eben nur „auch“. Die Umgangssprache ist ganz selbstverständlich das Deutsche.

Kurzer Aufenthalt in Meran: Die Kurstadt in den Alpen glänzt durch viel Prunk und angenehmes Klima.

Unsere nächste Station war der Gardasee. Rein zufällig sind wir im wahrscheinlich schönsten Ort am Ostufer des Sees gelandet: in Lazise. Ein sehr schönes Hafenstädtchen, dass sich toll herausgeputzt hat und zur Wasserseite hin mit einer schönen Uferpromenade glänzt.

Lazise: Ein schönes Städtchen am Ostufer des Gardasees. Der Campingplatz „Du Parc“ liegt nur ein paar Gehminuten vom Zentrum mit seinem schönen Hafen und der Uferpromenade entfernt.

Zufällig sind wir dort gelandet, weil wir uns eigentlich einen Campingplatz in Bardolino ausgesucht hatten. Womit wir nicht gerechnet (aber jetzt gelernt) haben: Campingplätze nehmen es mit der Aktualisierung ihrer eigenen Internetseiten nicht so genau. Deswegen stimmten die Öffnungszeiten nicht und der Campingplatz „Europa“ ist noch bis Mitte April geschlossen. Die erste Nacht haben wir deshalb notgedrungen auf einem Parkplatz am Seeufer verbracht, den die Italiener ganz geschäftstüchtig auch als Wohnmobil-Stellplatz (mit höheren Parkgebühren) ausgewiesen haben. Unschön war dabei nicht nur die Lage direkt an der Hauptstraße, sondern vor allem, dass der Parkplatz so stark zum See hin geneigt ist, dass wir mit unseren Auffahrkeilen hier auch nicht wirklich viel ausrichten konnten. Wir waren froh, dass Herd und Kühlschrank trotzdem funktionierten. (Kurze Erklärung für alle Nicht-Wohnmobilisten: Womos sollten möglichst gerade stehen. Das macht nicht nur das Gehen und Schlafen im Innern viel angenehmer, sondern ist auch Voraussetzung dafür, dass Kühl- und Gefrierschrank funktionieren. Und es erleichtert die Arbeit am Gasherd enorm. Wenn die Stellplätze selbst nicht gerade sind, kann man mit ein oder zwei Auffahrkeilen nachhelfen, auf die man den Wagen dann stellt. Man sollte außerdem eine Wasserwaage an Bord haben.)

Unsere Recherchen für den nächsten Tag haben uns dann den Weg zum Camping „Du Parc“ in Lazise gewiesen – was sich als außerordentlich gute Wahl herausstellte. Wir haben einen Stellplatz direkt am Seeufer bekommen und zum ersten Mal alles auspacken können, was wir dabei haben: die Stühle und den Tisch, den Kinderwagen und das Fahrrad, die Markise ausgefahren und dann: „Scubi“.

Einmal alles auspacken bitte: Unser Womo auf dem Campingplatz – mit Tisch und Stühlen, Fahrrad, Kinderwagen und „Scubi“. Hinter der Hecke: der Gardasee.

„Scubi“ ist unser Luft-Kanu, das wir eigens für diese Reise angeschafft haben. Ohne Boot an den schönsten Stränden und Seeufern Europas? Das wollte insbesondere Anne in keinem Fall. Da unsere „normalen“ Seekajaks mit einem Wohnmobil unserer Bauart schlechterdings nicht zu transportieren sind, musste eine Alternative her. Und die war eben „Scubi“. Das Boot heißt übrigens wirklich so (mit vollem Namen: „Scubi 2“). Nicht wir haben uns den Namen ausgedacht, sondern der Hersteller Nortik.

„Scubi“ jedenfalls haben wir aufgebaut und aufgepumpt – und so hat er seine Jungfernfahrt auf dem ruhigen Gardasee in der milden Nachmittagssonne mit Bravour bestanden (die kurze Testfahrt im Pool der Kölner „Globetrotter“-Filiale zählt nicht…)

In See gestochen: Scubi auf Jungfernfahrt.

Lazise vom Wasser aus

Schön für uns war auch, dass wir nach den Alpen-Etappen jetzt in milderes Klima gefahren sind und erstmals draußen zu Abend essen und vor allem Joana auch endlich draußen spielen und krabbeln lassen konnten. Denn das kann sie jetzt immer besser: Aus Ziehen, Rollen, Schieben wird zusehends professionelles Krabbeln. Zwar musste sie schon noch den warmen Teddy-Anzug anziehen, aber an der frischen Luft spielen ist besser als im Wagen – dem Laufstall zum Trotz (auch wenn der es uns Eltern etwas einfacher macht, weil man eben nicht die ganze Zeit schauen muss, was Joana so treibt. Ihr Spielzeug ist ja ziemlich uninteressant, wenn es Dreck und Steine zu kosten gibt…).

Am Gardasee (wo man übrigens auch Deutsch spricht, allerdings nur, weil halb Deutschland dort Urlaub zu machen scheint) haben wir zwei Nächte verbracht, bevor wir weitergefahren sind in die Lagune von Venedig.

Die Elternzeit-Reise mit dem Wohnmobil
Anne und Oliver unternehmen eine achtwöchige Elternzeit-Reise mit ihrer kleinen Tochter Joana. Sie fahren mit einem Wohnmobil durch Südeuropa und bloggen hier über die Reise. Alle Beiträge über die Elternzeit-Reise finden sich in dieser Übersicht. Unsere Erfahrungen mit Wohnmobil-Reisen mit Kind haben wir in einem eigenen Beitrag aufgeschrieben.

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