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Durch die dunklen Täler der alten Römerroute

Wir sind in Italien! Hierher geführt hat uns die Fahrt über zwei Alpenpässe, die schon die Römer kannten. Die schätzten an der Strecke, dass sie winterfest ist. Wir eigentlich auch. In dem Jahr, in dem wir hier sind, ist aber einer nicht mehr da: der Winter.

Hoch über Deutschland: Die Zugspitze ist der höchste Berg der Republik. Hier der Blick hinunter.

Wohlan und hoch hinaus: Nach unserer Nacht auf dem luxuriösen Fünf-Sterne-Camping-Resort „Zugspitze“ (echt eine Empfehlung – toller Blick, tolle Ausstattung. Hätte Joana an dem Morgen nicht schlechte Laune gehabt, hätten wir auch noch das schöne Babybad im Sanitärhaus genutzt. Fürs Baden muss Joana, die Anti-Wasserratte, gut gelaunt sein, sonst wird es sehr sehr anstrengend für alle Beteiligten…), nach dieser Nacht also sind wir zur Zugspitze gefahren und haben uns ob des strahlenden Sonnenscheins entschieden, den Gipfel zu erklimmen.

Mit der Seilbahn natürlich.

Das ist … der Gipfel.

Die Seilbahn ist schon jetzt spektakulär, weil sie seit 1962 in Betrieb ist und bisher immer noch den Rekord als höchste Seilbahn der Welt hält. Allerdings nicht mehr lang, denn im April wird sie abgebaut. Die Bahngesellschaft ersetzt die Eibseebahn durch eine neue, die noch spektakulärer wird. Denn wo die alte Seilbahn für die gut 2000 Meter lange Strecke noch zwei Stützen braucht, benötigt die neue nur noch eine einzige. Schon 1962 waren nur zwei Stützen auf der langen Strecke Rekord, 2017 wird die eine verbleibende wieder einer sein.

Die Bauarbeiten an der Seilbahn merkt man als Besucher allerdings sehr stark. Die neue Talstation entsteht direkt neben der alten, was ziemlichen Baulärm verursacht, und die Bergstation wird komplett umgebaut, was ziemliches Chaos bedeutet. Schön ist es da oben im Augenblick nicht. Interessant allerdings, wie sich die Bau- und Ausstattungsstile von 1962 und 2017 derzeit mischen…

Ganz oben: Auf dem Gipfel der Zugspitze. 

Am Preis für die Berg- und Talfahrt ändern die Unannehmlichkeiten für die Besucher übrigens nichts: Happige 44,50 Euro kosten einmal rauf und einmal runter – pro Person. Wir haben da schon geschluckt, uns wegen der einmaligen Gelegenheit – und nochmal: wegen des Super-Wetters – dazu entschlossen, das Geld zu investieren.

Nicht von uns, aber sehr beeindruckend: Die Auffahrt zur Zugspitze in Echtzeit.

Joana ist jedoch nicht in den Genuss der Seilbahnfahrt gekommen. Anne und ich sind getrennt zum Gipfel gefahren, immer einer von uns ist mit ihr am Eibsee geblieben. Große Höhen vertragen Säuglinge oft nicht gut. Dass die Entscheidung richtig war, haben wir jeweils unabhängig voneinander auf dem Gipfel gemerkt, wo es eiskalt (-3 Grad), aber extrem sonnig war und wir fast schon den ersten Sonnenbrand des Frühjahrs bekommen haben. Außerdem hatte zumindest ich auf der Talfahrt starke Probleme mit dem Druckausgleich in den Ohren. Ein Tauchgang ist nichts gegen 2000 Meter in zehn Minuten… Joana jedenfalls wäre das nicht gut bekommen. Unser Rat deshalb an alle Eltern mit so kleinen Kindern: Macht es nicht.

Anne, Sonne, Kinderwagen: An der Talstation am Eibsee.

Unser nächstes Ziel war Heiterwang in Österreich. Dazu haben wir uns recht spontan entschlossen, weil Freunde von uns dort in der Nähe Urlaub gemacht haben und sich nun ein Treffen bei einem Zwischenstopp auf deren Rückfahrt anbot. Das war schön – der Campingplatz, den wir uns zum Übernachten ausgesucht hatten, war es nicht so. Der Camping „Fischer am See“ liegt zwar sehr toll direkt am Heiterwanger See, ist ansonsten aber ziemlich in die Jahre gekommen. Nach unserer Luxus-Nacht an der Zugspitze war der Unterschied doch recht krass.

Idylle am Heiterwanger See.

Überhaupt, finde ich, erkennt man die Qualität eines Campingplatzes ziemlich schnell, wenn man nur die Schilder liest. Auf schönen Campings wird man in der Regel mit einem „Willkommen“ empfangen und ansonsten per Schild oder Hinweistafel nur in die – geographisch – richtige Richtung gelenkt. Auf miesen Campings erschlägt einen oft die Flut von Schildern und alle erlegen Verbote oder Maßregelungen auf: „Zutritt verboten“, „Zufahrt nur zwischen 7 und 20 Uhr“, „Nur für Campinggäste“, „Mittagsruhe von 12 bis 15 Uhr – bei Zuwiderhandlung erfolgt Platzverweis“. Und oft sind diese Plätze dann auch nicht nur die stimmungsmäßig schlechtesten, sondern auch die mit der dürftigsten Ausstattung und den unfreundlichsten Besitzern. Meine Anregung für die Autoren von Campingführern: Gebt die Anzahl von Verbotsschildern an, die Ihr auf den Plätzen findet…

Beim „Fischer am See“ war die Besonderheit, dass der Platz eigentlich geschlossen war (wovon auf dessen eigener Website kein Wort stand). Ich habe auf der Suche nach der Rezeption jedoch einen Dauercamper aufgescheucht, der anscheinend irgendwas zu sagen hatte auf dem Platz (und die Schlüssel zu allem) und uns einen Stellplatz für die Nacht und einen Stromanschluss vermietet hat. Übrigens fast zum selben Preis wie auf dem Luxus-Camping in Garmisch.

Unsere Empfehlung also: Schaut Euch den tollen Heiterwanger See an (ist ein bisschen wie ein kanadischer Bergsee in den Rocky Mountains), aber fahrt zum Campen die gut 30 Kilometer weiter nach Garmisch-Partenkirchen. Der Platz „Fischer am See“ ist nicht gut.


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Deshalb sind wir am nächsten Morgen auch früh aufgebrochen und nach einem kurzen Einkaufsstop (diverse Flüssigkeiten: Mineralwasser, Vollmilch, Flüssiggas) in Füssen (ja, wir sind die 20 Kilometer noch einmal zurück nach Deutschland gefahren – im „V-Markt“ in Füssen, diesen Tipp hatten wir erhalten, ist das Gas sehr viel günstiger als in Camping-Shops) haben wir die Alpen-Etappe genommen.

Der Reschenpass: Durch tief eingeschnittene Täler.

Über den Fernpass und den Reschenpass sind wir durch Österreich nach Italien gefahren. Es sind beeindruckende Strecken, die durch die dunklen, tief eingeschnittenen Täler der Ostalpen führen. Schon die Römer kannten die Reschenroute, die relativ sicher vor Hochwasser und auch im Winter nutzbar war. Vor allem letzteres und die Tatsache, dass beide Pässe Bundesstraßen und damit auch in Österreich mautfrei sind, tragen dazu bei, dass vor allem der Fernpass schon jetzt, im beginnenden Frühjahr, unglaublich stark befahren ist. Durchs Ruhrgebiet sind wir störungsfrei gekommen – in den Alpen haben wir im Stau gestanden.

Immerhin aber nicht im Schnee. Denn eigentlich hatten wir fest damit gerechnet, spätestens ab Garmisch-Partenkirchen im tiefsten Winter zu campen. Doch stattdessen erwarteten uns am Eibsee 17 Grad, am Heiterwanger See ebenso und selbst hoch oben auf dem Reschenpass (1500 Meter) waren es 9 Grad. Somit ist alles, was vom Himmel kommt, Regen. Schlecht für diejenigen, die jetzt gerne Skifahren würden – gut jedoch für Camper wie uns. Die dicken Winterjacken, die wir eingepackt haben, werden wohl auch für den Rest der Reise ungenutzt im Bord-Kleiderschrank hin- und herschaukeln.

Unser Womo am verregneten Reschenpass.

Hinter dem österreichischen Nauders haben wir dann die Grenze zu Italien überquert und stehen nun in einem kleinen Ort mit dem schönen Namen San Valentino alla Mutta (Sankt Valentin auf der Haide) auf einem ganz netten kleinen Campingplatz. Sankt Valentin liegt in der Nähe des Reschensees. Und aus dem ragt immer noch der Kirchturm des versunkenen Dorfes Graun.

Mehr dazu im nächsten Beitrag.

Die Elternzeit-Reise mit dem Wohnmobil
Anne und Oliver unternehmen eine achtwöchige Elternzeit-Reise mit ihrer kleinen Tochter Joana. Sie fahren mit einem Wohnmobil durch Südeuropa und bloggen hier über die Reise. Alle Beiträge über die Elternzeit-Reise finden sich in dieser Übersicht. Unsere Erfahrungen mit Wohnmobil-Reisen mit Kind haben wir in einem eigenen Beitrag aufgeschrieben.

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One comment

  1. Gabi Nierhoff says:

    Sehr interessant. Da wir demnächst in die Toscana fahren, erfahren wir sicher Wissenswertes. Wir wünschen euch weiter eine gute Reise und einen schönen Urlaub. Reinhard und Gabi

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