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Cinque Terre: Die U-Bahn an der Riviera

Um zu den Dörfern der Cinque Terre zu gelangen, fährt man am besten durch die Berge. Also wirklich: Hindurch. Mit der Bahn.

Wir haben von Siena aus dem Chianti-Gebirge den Rücken gekehrt und sind gen Westen ans Tyrrhenische Meer gefahren. Der Plan: Die Küste Liguriens nach Norden bis nach Genua fahren, auf dem Weg noch Pisa und Lucca anschauen, die Cinque Terre besichtigen und dann zum einzigen Termin unserer Reise pünktlich sein (1. April, 17 Uhr, Hafen von Genua, Fähre nach Spanien. Spoiler vorab: Wir waren pünktlich, die Reederei nicht).

Nach unserem schönen Platz in Siena sind wir dann in sowas wie der Camper-Vorhölle gelandet. Genauer gesagt: Auf dem Campingplatz „Miramare“, der, noch genauer gesagt, nur wenige Meter vor einer Autobahnauffahrt von Livorno liegt und so ziemlich das Gegenteil des tollen Campingplatzes ist, auf dem wir in der Nacht zuvor gestanden haben. „Miramare“ in Livorno punktet mit seinem tollen Blick direkt aufs Meer – der Rest ist eine Unverschämtheit. Die Sanitäranlagen waren vielleicht irgendwann im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts mal fast modern, heute sind sie nur noch desolat und schmutzig. Den Poolbereich hätten wir nicht betreten wollen, selbst wenn er geöffnet gewesen wäre und die für Camper sonst wichtige Entsorgungsstation fürs Grauwasser haben wir nicht aufgesucht, weil das nur unter Einsatz unseres Lebens mit der Überquerung der Straße vor dem Campingplatz (nochmal: das ist eine Autobahnauffahrt) möglich gewesen wäre. Absolutes Fiasko – bis auf den gigantischen Meerblick. Leider war „Miramare“ der einzige Campingplatz in Livorno, der zur Zeit unseres Besuches Ende März geöffnet hatte.

Unser Blick am Abend durch die Frontscheibe. So ein Ausblick entschädigt ja für vieles. Aber es ist das einzige, was am Campinglatz „Miramare“ zu loben war. Der Rest war unverschämt.

Deshalb also nach einer kurzen Nacht (just als wir das Abendessen auf der Terrasse mit Meerblick vor dem Womo einnehmen wollten, kamen Joanas obere Schneidezähne durch. Die Zahnschmerzen begleiteten sie und uns dann die ganze Nacht) nichts wie weg und weiter nach Pisa. 

Der Turm ist schief. Kein Fehler des Fotografen. 

Der Stadt haben wir nur eine kurze Visite abgestattet und die wichtigsten Touri-Bilder gemacht, die man vor dem schiefen Turm so machen kann. Einzig das total lustige Spiel mit der Perspektive á la „Ich rücke den Turm gerade“ haben wir uns verkniffen. Beeindruckend sind der Turm und das gesamte Ensemble um den Dom herum aber allemal!

Die Nacht haben wir dann bei Pisa auf einem der bisher schönsten Campingplätze unserer Reise verbracht. Der Platz heißt „Agricampeggio La Valle“ und liegt nur etwa acht Kilometer vor der Stadtgrenze von Lucca am Rande des kleinen Örtchens San Giuliano Terme ziemlich auf dem Land. Der Platz ist klein und die Stellplätze sind in Terrassen an einem Hang angelegt. Wer jemals in der Toskana campen möchte, dem sei dieser sehr liebevoll angelegte Platz empfohlen. Es ist ein Familienbetrieb und die Geschwister, die ihn führen, haben ein Händchen für Landschaftsgestaltung. Die Sanitärräume sind außerdem topmodern und sehr gepflegt, ein Wickeltisch steht zur Verfügung, der Pool ist sehr schön (war uns im März aber noch zu kalt) und die Besitzer verkaufen im kleinen Laden landwirtschaftliche Produkte aus der Region. Unter anderem Honig aus eigener Herstellung und in besonderen Geschmacksrichtungen. Anne ist Fan des Honigs mit Koriander geworden…

Unser Stellplatz auf dem „Agricampeggio La Valle“ bei Pisa in der Toskana.

Nach dieser Nacht und einem ausgedehnten entspannten Vormittag (wir wollten den schönen Platz gar nicht so recht verlassen) sind wir weiter nach Lucca gefahren und dann an die Küste nach Levanto an der italienischen Riviera, das sozusagen das Tor zu den Cinque Terre ist.

Schon mal vorab: Die Cinque Terre sind eines der Highlights auf unserer Tour! Unser Campingplatz „Acqua Dolce“ liegt am Rande des Ortskerns von Levanto. Alles ist also fußläufig erreichbar. Und direkt neben dem Eingang zum Platz startet ein toller Wanderweg hinauf auf den Berg, der Levanto von Monterosso, dem ersten Dörfchen der Cinque Terre, trennt.

Hoch über dem Meer: Der Wanderpfad von Levanto nach Monterosso

Ein Geheimtipp ist dieser nur zwölf Kilometer lange Küstenstreifen an der italienischen Riviera nicht mehr – spätestens seit die „Fünf Ortschaften“ zum Unesco-Welterbe ernannt wurden, hat der Tourismus sie für sich entdeckt. Die fünf malerischen Dörfchen hängen mehr als sie liegen an den steilen Felshängen. Eines von ihnen, Corniglia, liegt sogar hoch über dem Meer. Die anderen haben mehr oder weniger kleine Häfen. Früher lebte man hier vor allem vom Fischfang, heute mehr von den Touristen.


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Das Schöne: Weil es in den Dörfchen so eng ist, sind sie sehr ursprünglich geblieben. Denn Hotelklötze und andere touristische Schandtaten sind hier mangels Platz gar nicht möglich. Nur Monterosso, der größte Ort, bietet Hotels und einen kleinen Strand. Und ebenfalls aus Platzmangel gibt es hier auch keine Autos. Wer mit dem Auto kommt, muss es auf einem Parkplatz weit außerhalb des Ortes abstellen und laufen (oder im Sommer einen Bus-Shuttle nehmen).

Überhaupt aber ist Autofahren in den Cinque Terre eine schlechte Idee: Die Straßen zu den kleinen Örtchen sind eng und kurvig, weil sie über die Berge verlaufen. Besser ist es, einfach durch die Berge hindurch zu fahren. Das schafft aber nur die Eisenbahn: Der Regionalzug der Trenitalia hält in jedem der Dörfer und fährt ansonsten durch Tunnel. Überhaupt kommt er eigentlich nur in den Bahnhöfen ans Tageslicht – ansonsten fährt er unterirdisch. Wahrscheinlich sind Monterosso, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore die einzigen Dörfer weltweit, die eine eigene U-Bahn haben. Und auch wenn die ein Bummelzug ist: Von Monterosso nach Levanto braucht sie beispielsweise nur fünf Minuten. Mit dem Auto über die Serpentinen ist man mehr als eine halbe Stunde unterwegs.

Links Tunnel, rechts Tunnel: Der Regionalzug kommt nur in den Bahnhöfen ans Tageslicht. Zwischen den Dörfern der Cinque Terre fährt diese „U-Bahn“ unterirdisch.

Wir haben uns für den Hinweg jedoch für unsere Füße als Verkehrsmittel entschieden und sind von unserem Campingplatz aus nach Levanto gewandert. Die Strecke ist spektakulär, führt hoch über dem Meer am Felsen entlang. Und sie ist kein Spaziergang, denn die anfangs guten Wege und Treppen verwandeln sich später in sehr schmale Pfade und Gesteinsrinnen, durch die man nach oben kraxeln muss.

Unsere Idee, Joana in der Trage mitzunehmen, war deshalb nur allenfalls halb gut. Bis zur Hälfte hat sie (wie wir) die Wanderung genossen. Später, als die Kraxelei zu stark und Mutter wie Vater immer mehr außer Atem gerieten, hat auch sie sich nicht mehr wohlgefühlt. Gute drei Stunden sind wir unterwegs gewesen – belohnt mit spektakulären Ausblicken und einer abwechslungsreichen Flora entlang des Pfades. Wir empfehlen aber an dieser Stelle dennoch eher eine Wanderung ohne Kind – oder eine Erlebnis-Bahnfahrt durch die Tunnel an der Riviera.

Uns hat es hier sehr gut gefallen – wir überlegen, ob wir, bevor wir wieder gen Norden fahren, hierher noch einmal einen Abstecher machen.

Zunächst aber mussten wir nach drei Tagen in den Cinque Terre die Markise wieder einfahren, Stühle und Tische einpacken und Joanas Krabbelplatz abbauen. Unsere Fähre auf die andere Seite des Mittelmeeres wartete.

Die Elternzeit-Reise mit dem Wohnmobil
Anne und Oliver unternehmen eine achtwöchige Elternzeit-Reise mit ihrer kleinen Tochter Joana. Sie fahren mit einem Wohnmobil durch Südeuropa und bloggen hier über die Reise. Alle Beiträge über die Elternzeit-Reise finden sich in dieser Übersicht. Unsere Erfahrungen mit Wohnmobil-Reisen mit Kind haben wir in einem eigenen Beitrag aufgeschrieben.

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One comment

  1. Hauke says:

    Doch Fehler des Fotografen: Nicht der Turm ist schief, sondern die Häuser drumrum sind es. Hanglage und so. Schade, dass auch in diesem Qualitätsportal getrickst wird! 😉

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